Belgrad : Serbien hadert mit seinem Negativ-Image

Brennende Müllcontainer, geplünderte Schaufenster und eine aufgebrachte Menschenmasse, die Steine in eine Tausendschaft von Polizisten wirft: Solche Bilder bescherten Serbien in den vergangenen Tagen internationale Negativ-Schlagzeilen.

Veronika Wengert

Die Regierung in Belgrad beteuert dennoch, dass die nationale Sicherheit im Land nicht gefährdet sei. In Serbien glaubt hingegen niemand so recht daran, dass es sich nur um bloße Gewalt ultranationaler Hooligans handelt. Wer die Strippenzieher der massiven Ausschreitungen von Belgrad sind, bleibt weiterhin unbekannt. Experten vermuten, dass das Land in seiner demokratischen Entwicklung geschwächt werden soll.

Die düstere Bilanz wirft einen dunklen Schatten auf Serbien: Massive Ausschreitungen am Rande der homosexuellen Gay Pride Parade in Belgrad haben am vorvergangenen Sonntag zu 140 Verletzten und Sachschaden in Millionenhöhe geführt. Und nur zwei Tage später musste das EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Italien in Genua aufgrund extremer Krawalle vorzeitig abgepfiffen werden – erneut fanden sich serbische Hooligans auf allen Titelblättern wieder. Die Regierung in Belgrad gibt Entwarnung: Die politische Stabilität sei nicht gefährdet, dazu reiche die Kraft der Hooligans nicht aus. Allerdings werde man künftig härter gegen solche Gruppierungen vorgehen und vor allem deren Finanzierung unter die Lupe nehmen – um zu prüfen, wer dahinterstehe, wie der nationale Sicherheitsrat unter Führung von Staatspräsident Boris Tadic der Boulevardzeitung „Blic“ sagte.

Medienspekulationen, wonach die Regierung Tadic durch die Krawalle geschwächt werden solle, hatte einer der mutmaßlichen Anführer der Ausschreitungen von Genua entkräftet. Er ließ mitteilen, dass die Vorfälle „nicht politisch motiviert“ gewesen seien. „Wir haben zu wenig Informationen darüber, auch wissen wir nichts über die Hintermänner der Ausschreitungen“, gab Innenminister Ivan Dacic laut Belgrader Rundfunk B92 zu. „Dass es sich um spontane Proteste handelt, daran glaubt in Serbien keiner mehr“, sagt dagegen der Belgrader Psychologe Prvoslav Plavsic.

Der Belgrader Journalist Slobodan Georgijev sagt, vor allem die jüngere Generation sei anfällig für extrem nationalistische Propaganda. „Viele sind frustriert, waren aufgrund Geldmangels noch nie im Ausland und wissen überhaupt nicht, was die Europäische Union eigentlich bedeutet. Also kann man sie mit radikalem Gedankengut leicht manipulieren.“ Zu den bekanntesten ultranationalistischen Gruppierungen in Serbien gehören Nationalni Stroj, 1389, Obraz oder Dveri. Sie verbinde vor allem die Ablehnung der EU, der Nato und anderer westlicher Einflüsse, die das nationale Serbentum gefährden könnten, erklärt Georgijev, der für die serbische Wochenzeitschrift „Vreme“ arbeitet.

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