Politik : Belgrad startet Großoffensive gegen Kosovo-Albaner

LUXEMBURG/PRISTINA (rtr).Ungeachtet eindringlicher Warnungen westlicher Staaten vor einem weiteren gewaltsamen Vorgehen in Kosovo haben schwerbewaffnete serbische Polizeieinheiten am Montag eine Großoffensive in der Albaner-Provinz gestartet.Verbände mit Panzerfahrzeugen riegelten die Stadt Belacevac und weitere Dörfer nahe der Provinzhauptstadt Pristina ab und nahmen Privathäuser von Albanern unter Beschuß.Deutschland stellte sich hinter die US-Haltung, die Untergrundarmee der Kosovo-Albaner in die Bemühungen um eine Friedenslösung einzubeziehen.Die EU entzog Jugoslawiens Fluggesellschaften die Landerechte.

Westliche Reporter berichteten aus der Region um Belacevac über zahlreiche brennende Häuser.Auch Detonationen seien zu hören gewesen.Im Hinterland stünden zudem Verbände der jugoslawischen Armee bereit, den Polizeieinheiten zu helfen.An der Berichterstattung aus Belacevac selbst seien unabhängige Journalisten gehindert worden.Die Bewohner sein meist zu Fuß auf der Flucht, während serbische Polizisten und bewaffnete serbische Zivilisten, die teilweise maskiert seien, alle wichtigen Straßen und Plätze sicherten.

Belacevac war erst vor wenigen Tagen in die Hände der "Kosovo-Befreiungsarmee" (UCK) gefallen.Fast in Sichtweite zur Hauptstadt Pristina hatten in den vergangenen Tagen bewaffnete UCK-Kämpfer am hellichten Tag Patrouillen durch die Stadt unternommen und damit die serbische Führung provoziert.Die Stadt ist auch wegen ihres von den Separatisten eroberten Kohlebergwerks von großer strategischer Bedeutung.Es liefert den Nachschub für zwei Kraftwerke in Obilic, die die gesamte Provinz Kosovo und andere Teile Serbiens mit Strom versorgen.Auch mehrere Dörfer in der Umgebung von Belacevac wurden abgeriegelt.

Der österreichische Außenminister und künftige Ratsvorsitzende der EU, Wolfgang Schüssel, zeigte sich am Montag besorgt über die jüngste Entwicklung.Er befürchte, daß eine weitere Eskalation unmittelbar bevorstehe, sagte Schüssel beim Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg.Es könne sich um Vorbereitung einer Großoffensive handeln, vielleicht sogar einer "endgültigen".Ähnlich äußerte sich das Mitglied einer Kosovo-Delegation, Veton Surroi.Es bestehe die Gefahr, daß es zu einer Antwort der UCK auf die serbische Offensive komme und dann eine Eskalation in Gang gesetzt werde, die nicht mehr zu stoppen sei.

Dagegen sagte Bundesaußenminister Klaus Kinkel, es handele sich nach seinen Informationen nicht um eine Großoffensive, sondern lediglich um einen Versuch der Serben, die Kontrolle über das wichtige Kohlebergwerk wiederzuerlangen.Mit Blick auf den Dialog mit den Kosovo-Albanern und Initiativen der USA, die für Unabhängigkeit von Jugoslawien kämpfende UCK darin einzubinden, sagte Schüssel in Luxemburg weiter, der Wortführer der Kosovo-Albaner, Ibrahim Rugova, dürfe nicht geschwächt und zugunsten der UCK fallengelassen werden.Es sei wichtig, weiter mit ihm und den gemäßigten Kräften der Albaner zu sprechen.Dagegen verlautete aus Bonn, die auf 10 000 Mann geschätzte UCK müsse mit am Tisch sitzen, wenn die Verhandlungen zwischen Jugoslawien und dem Rugova-Lager wieder aufgenommen würden.

Um den Druck auf Belgrad im Kosovo-Konflikt zu erhöhen, billigten die EU-Außenminister das Flugverbot für Jugoslawiens Zivilmaschinen in allen 15 Mitgliedsstaaten.Die EU hatte zuvor ein Waffenembargo, das Einfrieren jugoslawischer Auslandsguthaben und einen Investitionsstopp verhängt.

GroKo, Jamaika oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben