Politik : Benin: Kampagne gegen Sklaverei

Der Bundesligastürmer Jonathan Akpoborie wird in dieser Woche nicht nach Benin reisen, um zur Aufklärung im Fall des angeblichen Sklavenschiffes "Etireno" beizutragen. Dies erklärte der nigerianische Fußballer am Montag der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung". Auch sein Verein, der Vfl Wolfsburg bestätigte, dass der 32-Jährige in Deutschland bleibt.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass Akpoborie seit 1998 der Besitzer der "Etireno" ist. Das Schiff wird seit einer Woche wegen des Verdachts auf die Verwicklung in den Handel mit Kindersklaven in der beninischen Hafenstadt Cotonou festgehalten. Der Bundesligaspieler dementierte diese Anschuldigungen.

Die nigerianische Zeitung "The Guardian" hatte angekündigt, Akpoborie werde in den kommenden Tagen in das westafrikanische Benin reisen, um gegenüber den dortigen Behörden Stellung zu nehmen. Dort wurde gegen die sechs nigerianischen Besatzungsmitglieder seines Passagierschiffs ein internationaler Haftbefehl erlassen.

Unklar ist bisher weiterhin, ob auf der "Etireno" die 43 Kinder wirklich geschmuggelt worden seien, erklärte das Kinderhilfswerk Terre des hommes in Osnabrück. Derzeit würden 23 Jungen und Mädchen im Alter zwischen acht und 14 Jahren von dem Hilfswerk in der beninischen Hauptstadt Cotonou medizinisch und psychologisch betreut. Weitere 17 Kinder sind im SOS-Kinderdorf nahe Cotonou untergebracht, drei Säuglinge blieben bei ihren Müttern. Bislang gebe es aber keine Hinweise darauf, dass die Kinder Opfer von Menschenhandel geworden seien, erklärte Daniel Dejean von SOS-Kinderdorf international. Die Kinder seien zwar erschöpft, aber wohlauf. Derzeit werde versucht, ihre Herkunft zu ermitteln.

Terre des hommes will mit Hilfe von Psychologen herausfinden, wie die Kinder auf das Schiff kamen, was auf der Reise passiert ist und ob sie tatsächlich Opfer von Gewalt und Missbrauch wurden. Das Hilfwerk werde sich bei den Nachforschungen aber nicht unter Druck setzen lassen, erklärte Sprecher Stephan Stolze. Es gelte zunächst, den Schutz der Kinder zu gewährleisten.

Unterdessen hat die beninische Regierung angekündigt, verstärkt gegen Kinderarbeit und -handel vorzugehen. Dies habe sie in einem Treffen mit Hilfswerken am vergangenen Donnerstag in Cotonou erklärt, sagte Unicef-Sprecherin Sandra Köcher-Dornhege. Die Regierung wolle ein Komitee zu Kindersklaverei gründen. Außerdem sollen Radiospots in Französisch und afrikanischen Sprachen ausgestrahlt werden, die die Familien über die Versklavung von Kindern aufklären sollen.

In West- und Zentralafrika geraten den Angaben zufolge jährlich etwa 200 000 Kinder und Jugendliche unter falschen Versprechungen in die Fänge von Schleppern. Ihre Eltern glauben meist, dass die Kinder ein besseres Leben führen und ein Handwerk erlernen. Stattdessen werden sie auf Kaffee-, Kakao-, Bananen- oder Baumwoll-Plantagen zur Arbeit gezwungen, ausgebeutet und oft auch sexuell missbraucht. Zwei Hauptrouten der Transportschiffe wurden bislang entdeckt. Die eine führt von Mali in die Elfenbeinküste und nach Nigeria, die andere von Benin nach Nigeria und Gabun.

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