Politik : Benzinmarkt: Nicht mehr normal

Thomas Gack

EU-Umweltkommissarin Margot Wallström will von 2005 an Normalbenzin europaweit verbieten. Die von ihr vorgeschlagene Streichung einer kleinen Fußnote in der geplanten EU-Kraftstoffrichtlinie könnte zur Folge haben, dass auch unverbleites Normalbenzin von 2005 an vom europäischen Kraftstoffmarkt verschwinden müsste. Die EU-Kraftstoffrichtlinie von 1999 schreibt Grenzwerte für den Schwefelgehalt und mindestens 95 Oktan im Benzin vor, erlaubt aber in einer Fußnote eine Ausnahme bei unverbleitem Normalbenzin.

"Neue umweltfreundliche Autos, die weniger Benzin verbrauchen, benötigen den höherwertigen Kraftstoff mit einer Klopffestigkeit von mindestens 95 Oktan", erklärte am Donnerstag eine Sprecherin der EU-Umweltkommissarin. Die EU-Umweltkommissarin will deshalb die Ausnahmeregelung aus der EU-Kraftstoffrichtlinie streichen. Begründung: Normalbenzin, das in Deutschland nur 91 Oktan enthält, mache "nur einen geringen Anteil am Benzinmarkt der Gemeinschaft" aus. Tatsächlich liegt in Deutschland und Österreich der Anteil von Normalbenzin am Kraftstoffverbrauch bei rund 25 Prozent.

Die deutschen Mineralölkonzerne laufen deshalb Sturm gegen die geplante Änderung. Aber auch die Umweltschützer halten von einem Verbot von Normalbenzin nichts. "Das ist unsinnig. Normalbenzin ist unter Umweltgesichtspunkten sogar weniger problematisch als Superbenzin", sagte der Greenpeace-Experte Wolfgang Lohbeck der Agentur Reuters in Hamburg. Und ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte in Berlin, die Bundesregierung werde in Brüssel darauf drängen, die Ausnahmeregelung für Normalbenzin über 2005 hinaus zu verlängern.

Die Mineralstoffindustrie ist unterdessen zuversichtlich, dass die EU-Kommission am Ende auf ein Verbot von Normalbenzin verzichten werde. Gegen Ende des Jahres entscheidet der EU-Ministerrat über den Plan. Dass der Vorschlag der Umweltkommissarin dort die benötigte Mehrheit findet, ist eher unwahrscheinlich.

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