Politik : Benzinpreise: Italien

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Mit glänzenden Augen verfolgt Italien, wie sich in Frankreich, Belgien, Deutschland die Fernfahrer gegen die Benzinpreise auflehnen: "Besonders diese Franzosen", kommentiert begeistert ein Fuhrunternehmer im Radio 24 Ore: "Aus allem machen die eine Revolution." Doch so weit vom Ausstand sind auch Italiens Brummi-Fahrer nicht entfernt - sie haben lediglich den Nachteil, dass neue Gesetze ihnen spontane Blockaden verbieten und die Regierung in eher ungewohnter Umsichtigkeit allerlei Versprechungen gegeben hat, die sie erst im Oktober oder November einlösen muss.

"Dann aber wird es ernst", sagt ein Sprecher der größten Tranporteurs-Vereinigung. Durch Steuerermäßigung sollen Verbilligungen um etwa 21 Pfennig pro Liter, bei einem Preis von 2,35 Mark für bleifreies Benzin und 1,85 für Diesel, erreicht werden. Tatsächlich überbieten sich die angeblich unentwegt tagenden "Expertengruppen" der Ministerien an Einfällen: So soll künftig billiger tanken, wer zur Arbeit Kollegen mitnimmt - nur hat niemand eine Idee, wie man sicherstellen soll, dass da nicht einfach an allen Tankstellen Vierergruppen anrücken, den Rabatt einstreichen, flugs ihre Autos wechseln und zum Zapfen zurückkommen, bis alle auf Skonto vollgetankt sind. Dann wieder soll, wer regelmäßig mit dem Zug zur Arbeit fährt, eine Prämie bekommen - nur leider werden die Fahrkartenpreise gerade angehoben, und zwar um weit mehr als die angedachte Vergütung beträgt. Den skurrilsten Vorschlag hat Finanzminister Del Turco verlauten lassen: Die "sozial Schwächsten" sollen vom Staat eine Art Bonus fürs Benzin bekommen, Rentner, Arbeitslose, Behinderte. Nur haben die auf Grund ihrer Armut meist gar kein Auto.

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