Politik : Beobachten statt jagen Walfangkonferenz kümmert sich mehr als bisher um Schutz der Tiere

Dagmar Dehmer

„Wir hätten die Wale beinahe verloren“, sagt Frank Future. Erst seit das Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC), die ihre Jahreskonferenz am Donnerstag in Berlin beendet hat, greift, kehren die Buckelwale vor die Küste Australiens zurück. Frank Future verdient seit acht Jahren sein Geld damit, dass er Touristen Buckelwale und Delfine zeigt. Der Australier Frank Future ist einer der Sprecher der erst vor vier Monaten gegründeten Internationalen Vereinigung kommerzieller Walbeobachter (IACW). Die Walbeobachtung erzielt weltweit einen Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden US-Dollar. In Island werden jährlich rund 16 Millionen US-Dollar umgesetzt. Das ist ein Viertel der isländischen Tourismuseinnahme.

Die Walbeobachter haben zum ersten Mal eine IWC-Tagung verfolgt. Denn von den Beschlüssen der Walfangkonferenz hängt auch ihre wirtschaftliche Zukunft ab. Frank Future und seine Kollegen können zufrieden sein. Die IWC hat bereits zu Beginn der Tagung beschlossen, sich künftig stärker um den Schutz der Wale zu kümmern. In einem neuen Walschutzausschuss soll darüber beraten werden, wie die Wale vor Fischernetzen gerettet werden können, in denen jedes Jahr rund 300 000 sterben. Oder wie sie vor Schadstoffen geschützt werden können, die sich in Delfinen oder Pottwalen anreichern. „Gestrandete Pottwale sind Sondermüll“, sagt Thilo Maack von Greenpeace.

Island, davon ist Sandra Altherr von Pro Wildlife überzeugt, werde sich wohl noch einmal überlegen, ob es den Walfang wieder aufnimmt. „Diplomatisch wäre Island damit völlig im Aus. Außerdem essen wir hier in Deutschland vor allem isländischen Fisch“, sagt sie. Auch die deutsche Delegation ist mit dem Ausgang der Konferenz zufrieden. Zum Schluss bekam sie sogar noch für eine Resolution, die den so genannten wissenschaftlichen Walfang rügt, eine Mehrheit. Das hat zwar keine direkten Folgen. „Aber so deutlich war eine Mehrheit dafür noch nie“, sagt Niki Entrup von der Walschutzinitiative WDCS.

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