Eröffnung 2018? Abwarten

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BER-Chefs Mehdorn und Marks im Interview : "Seit wann haben Sie gewusst, dass da was schiefläuft?"

Unsere Leser sagen uns immer wieder, das geht da alles so langsam. Sie selbst haben einmal gesagt, Ende 2014 wird das Terminal baulich fertig sein. Jetzt hören wir, dass noch 2000 Kilometer Kabel ausgetauscht werden müssen.
Mehdorn: Sie haben nicht richtig zugehört. Der erste Terminalteil, das Pier Nord, ist fertig. Die Fertigstellung des zweiten Gebäudeteils, des Pier Süd, folgt 2015. Aber das Pier Süd ist nicht entscheidend, sondern das Hauptterminal, und da sind wir dran.

Marks: Viele der Themen, die wir abarbeiten müssen, hängen eben leider auch damit zusammen, dass der Planer mehrfach gewechselt hat. Da war keine Kontinuität mehr, und das betrifft nicht nur die Entrauchung.

Hat da eigentlich jemand versucht, die welt-genialste Entlüftungsanlage überhaupt zu bauen oder die Gesetze der Physik auszuhebeln?
Marks: Ja, beides.

Mehdorn: Ja, ein Unikat. So was hat noch keiner auf der Welt gebaut.

Jetzt sollen bis Mai 2015 die Pläne für den Umbau der Entrauchungsanlage vorliegen. Ist denn da eine Eröffnung vor 2018 überhaupt noch zu schaffen?
Mehdorn: Warten Sie’s ab. Wir beraten die Frage in der nächsten Woche in unseren Gremien. Die Abnahme und Prüfung des Ganzen kann zwischen fünf und fünfzehn Monaten dauern.

Von was hängt das ab? Von der Kleinkariertheit der Prüfungsinstanzen?
Mehdorn: Das würde ich nicht sagen. Es hängt erstens davon ab, dass wir gute Arbeit abliefern. Und zweitens davon, dass es einen gemeinsamen Geist und Willen gibt, das Ding nun auch endlich fertigzustellen. Wir alleine werden das nicht schaffen. Es sind auch jede Menge Behörden am Abnahme- und Inbetriebnahmeprozess beteiligt.

Zweifeln Sie am gemeinsamen Willen?
Mehdorn: Er ist noch nicht sehr ausgeprägt.

Eine Behörde handelt ja nicht von sich aus verschleppend. Eine Behörde verschleppt, wenn sie das Gefühl hat, dass die übergeordnete politische oder Exekutivinstanz auch gerne verschleppen würde.
Marks: Ich würde den Fokus gerne verändern. Sie haben richtig gesagt, dass eine Behörde prüft. Eine Behörde braucht zum Prüfen saubere Unterlagen. Wenn wir die Unterlagen zum Umbau der Entrauchungsanlage bis Mai einreichen müssen, müssen die Unterlagen schlüssig und in sich konsistent sein. In der Vergangenheit war das, warum auch immer, nicht so. Unsere Herausforderung besteht darin, für die rund 4500 Räume, die wir im BER haben, eine in sich schlüssige Planung vorzulegen. Es wird die am besten dokumentierte Baustelle der Welt werden.

Von wem erwarten Sie mehr Kooperation?
Mehdorn: Es geht um die integrierte Zusammenarbeit aller. Keiner auf Behördenseite hat jemals einen internationalen Airport zugelassen. Das ist für alle das erste Mal. Das werden wir nicht lösen, wenn der eine sagt: Ich habe alles richtig gemacht. Es hilft nur etwas, wenn sich die Beteiligten bei den Händen fassen und gemeinsam sagen: Wir ziehen das jetzt durch.

Klappte das in Frankfurt oder München besser?
Mehdorn: Ja, wenn ich mit den Leuten spreche, habe ich den Eindruck.

Warum?
Mehdorn: Frankfurt hat Hessen, München hat Bayern. Wir haben drei Gesellschafter.

Aber die Behörde, mit der Sie kooperieren müssen, ist weder vom Land Berlin noch vom Bund abhängig, sondern nur vom Land Brandenburg. Haben Sie das Gefühl, dass das Land Brandenburg nicht so recht mitzieht?
Mehdorn: Jetzt sind Sie schon wieder bei Schuldfragen. Das ist nicht mein Thema. Ich plädiere dafür, dass die Beteiligten stärker zusammenrücken. Wir brauchen den gemeinsamen Geist, den Flughafen jetzt so zügig wie möglich ans Netz zu bringen.

Was muss passieren?
Marks: Wir müssen beweisen, dass wir verlässlich sind. Wenn wir den Planungsnachtrag transparent und pünktlich einreichen, werden wir auch wieder Vertrauen bei den Behörden und den anderen Projektbeteiligten gewinnen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dann die Stimmung auch wieder ins Positive kippen wird.

Mehdorn: Ja, denn es gibt einen Punkt, den wir sehr positiv bewerten und auf den wir auch setzen. Brandenburg hat jetzt wieder ein klassisches Infrastrukturministerium. Die neue Infrastrukturministerin, Kathrin Schneider, ist die Chefin aller Behörden, die für den Flughafen eine Rolle spielen. Das macht uns Hoffnung.

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