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Politik : Beratung statt Sozialtarife Die Caritas hilft Armen beim Sparen

09.07.2008 00:00 UhrVon Dagmar Dehmer

Berlin - Ulrich Schäferbarthold hält wenig von Sozialtarifen. Der Abteilungsleiter des Frankfurter Caritas-Verbands ist seit 2005 dafür zuständig, Hartz-IV- Haushalten beim Energiesparen zu helfen. Er weiß, wie knapp das Geld ist, schon gar in einer teuren Stadt wie Frankfurt am Main. Dennoch sagt er: „Sozialtarife tragen nichts zum Energiesparen und zum Klimaschutz bei.“

Die Beschäftigungsgesellschaft Cariteam hat zwölf Langzeitarbeitslose zu Energieberatern weitergebildet. Diese analysieren den Strom-, Wasser- und Heizenergieverbrauch von Transferhaushalten. Sie spüren Geräte auf, die auch dann noch Strom verbrauchen, wenn sie längst abgeschaltet sind, und machen ein Gutachten über die Sparpotenziale des Haushalts.

Beim zweiten Besuch „bringen die Berater Geschenke mit“, sagt Schäferbarthold: Energiesparlampen, Steckerleisten und Perlatoren für die Wasserhähne, die weniger Wasser durchlassen.

Am Anfang, berichtet Schäferbarthold, wollte sie niemand reinlassen. „Wir sind voll gegen die Wand gelaufen.“ Langsam hätten sie begriffen, warum: Die Leute hätten einfach nicht das Geld, aus ihren Gutachten praktischen Nutzen zu ziehen. Deshalb suchte sich die Caritas Sponsoren für ein „Starterpaket“. Mit einer Investition von 51 Euro können die Haushalte im Schnitt 140 Euro im Jahr sparen. Das sind knapp 400 Kilogramm Kohlendioxid (CO2) pro Haushalt, die nicht in die Luft geblasen werden, sagt Schäferbarthold.

Derzeit fördert das Umweltbundesamt die Übertragung der Idee auf weitere Städte. 17 Verbände haben mit der Schulung von Energieberatern und der Beratung begonnen. Auch in Berlin soll das bald passieren. In Berlin gibt es schon einige vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) geschulte Berater in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil. Zudem berät auch die Energieberatung der Verbraucherzentrale gerade in Berlin viele Hartz-IV-Empfänger. Für sie ist die Beratung schon jetzt kostenlos.

Nach Angaben der Projektleiterin beim Verbraucherzentralen Bundesverband, Christiane Dudda, steigt die Nachfrage angesichts steigender Preise bundesweit. Dudda berichtet, dass in ihrem Projekt, das vom Wirtschaftsministerium gefördert wird, rund 15 Prozent der Mieter es geschafft haben, ihre Vermieter von einer Modernisierung zu überzeugen.

Um die Frage, ob es für den Staat preiswerter ist, die Hartz-IV-Sätze zu erhöhen, oder Energiesparlampen zu verschenken, fördert das Umweltministerium derzeit eine Studie in Freiburg und Berlin. In Freiburg sollen ausführliche und wissenschaftlich aufbereitete Daten aus 80 Haushalten die Frage beantworten, wie hoch das Einsparpotenzial bei den Strom- und Heizkosten sowie beim Kohlendioxid sein könnte. Das Team um Dieter Seifried weiß schon, dass rund 30 Prozent der Stromkosten allein vom Kühlschrank verursacht und weitere 40 Prozent im Schnitt für Beleuchtung gebraucht werden. Schäferbarthold hat für die rund 30 000 Frankfurter Transferhaushalte ein Einsparpotenzial von etwa 10 000 Tonnen CO2 errechnet. „Und das mit einfachsten Mitteln“, sagt er. Dagmar Dehmer

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