Politik : Berechnend vorgegangen (Kommentar)

Wenn es einen Konflikt gibt, der eine zentrale Rolle in der militärischen Karriere von General Pervez Musharraf gespielt hat, ist es der Kaschmir-Konflikt. Der Krieg um die zwischen Pakistan und Indien umstrittene Himalaya-Region brachte ihm bereits 1965 allerlei militärische Auszeichnungen ein, die seinen Ruhm begründeten. Die jüngste Kaschmir-Krise führte nun aber auch zu seiner Absetzung als Armeechef, was der 58-jährige General mit dem Putsch gegen die Regierung von Premierminister Nawaz Sharif beantwortete. Damit untermauerte er nur seinen Ruf, er sei kühl berechnend und würde entschlossen handeln.

Musharraf ist ein Musterschüler und dementsprechend hat er auch eine Musterkarriere hinter sich, die in der angesehenen Militärschule in Quetta in der Region Baluchestan begann. Auch Schulungen in Großbritannien, der früheren Kolonialmacht, gehörten zu seiner Ausbildung. Er kommandierte Artillerie- und Infanteriebrigaden, bevor er 1964 zum Offizier eines Artillerieregiments ernannt wurde. Sein Engagement im Kaschmir-Krieg hat auch einen biographischen Hintergrund: Musharraf ist Moslem und wanderte nach der Teilung Indiens und Pakistans 1947 aus dem vorwiegend hinduistischen Indien ins islamische Pakistan ein. Den Posten als Chef der Armee hatte der General mit Brille und Schnauzbart noch nicht lange.

Premierminister Sharif setzte Musharraf erst vergangenes Jahr an die Spitze der Armee, nachdem er dessen Vorgänger Jahangir Karamat zum Rücktritt gedrängt hatte. Im April, kurz vor Beginn des neuen Kaschmir-Konfliktes, ernannte Sharif den General zudem zum Chef des Generalstabes. Erst vor zwei Wochen bestätigte der Premier Musharraf im Amt, um damit "ein für alle Mal" den Gerüchten um Differenzen zwischen ihm und dem General ein Ende zu bereiten. Doch am Dienstag machte der Premier die Kehrtwende und setzte den General ab.

Vor allem seit der Premierminister den Rückzug der pakistanischen Armee aus dem indischen Teil Kaschmirs angeordnet hatte, war das Verhältnis zwischen Regierung und Armee äußerst gespannt. Seit Anfang Mai hatten sich Moslemrebellen, unterstützt von der pakistanischen Armee, zehn Wochen lang heftige Gefechte mit den indischen Streitkräften in Kaschmir geliefert und die beiden Atommächte damit an den Rand eines vierten Krieges getrieben.

In einer Fernsehansprache begründete Musharraf den Schlag gegen den Premier damit, Sharif habe zahlreiche "Ratschläge" der Militärs in den Wind geschlagen, und nur das Militär könne die "Unsicherheit" beenden.

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