Politik : „Berechnungen zu Klimaschutz sind falsch“

Britische Experten für Senkung der Emissionen

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Nur eine dramatische Wende in der Klimapolitik kann einen katastrophalen Klimawandel verhindern, warnt das britische Tyndall-Klimazentrum der Universität Manchester in einem bahnbrechenden Bericht, der eine Erhöhung bestehender Klimaziele bis 2050 um 50 Prozent fordert. Unter anderem seien bestehende Berechnungen falsch, weil Regierungen die Belastungen durch den Flugverkehr und die internationale Schifffahrt nicht in ihre Kalkulationen einbezogen haben, heißt es in dem Bericht.

Auf der Grundlage des Reports legte die Umweltorganisation „Friends of the Earth“ am Freitag einen „Fahrplan“ für den Klimaschutz vor. Großbritannien habe nur vier Jahre Zeit, um einen Generalplan für eine neue Klimapolitik einzuleiten. Die Emissionen von Umweltgasen würden nach diesem Plan bis 2010 stabilisiert und dann 20 Jahre lang um jährlich neun Prozent reduziert werden. „Wenn wir das Handeln jetzt hinausschieben, werden später viel drastischere Einschränkungen notwendig, die viel schwerer zu bewältigen sind“, warnte der Direktor der Umweltorganisation, Tony Juniper.

Nach dem Bericht des Tyndall-Zentrums darf Großbritannien bis 2050 maximal 4,6 Gigatonnen Kohlendioxid abgeben, wenn es seinen „fairen Anteil“ zum Weltklimaschutz beisteuern will. Nach aktuellem Stand wäre diese Zuteilung allerdings schon bis zum Jahr 2028 verbraucht.

Während die Umweltschützer von „Friends of the Earth“ von einer Welt träumen, in der jeder Einzelne ein „Karbonbudget“ und jedes Haus ein Windrad auf dem Dach hat, berichteten Wissenschaftlicher diese Woche über einen dramatisch beschleunigten Rückgang der Eisdecke in der Arktis. Der Nasa-Klimawissenschaftler James Hansen warnte, das Zeitfenster für ein Abwenden der Klimakatastrophe betrage nur zehn Jahre.

Die britische Regierung wird Anfang Oktober auf dem Treffen der G-8-Staaten in Mexiko einen Bericht über die wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels vorlegen. Auch in dem Bericht des früheren Weltbank-Ökonomen Nicholas Stern wird dem Vernehmen nach argumentiert, dass sofortiges Handeln am wirtschaftlichsten sei. In Großbritannien wird nun spekuliert, dass Premier Tony Blair den Bericht zu einer neuen globalen Klima-Initiative nutzen will.

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