Politik : Bereiten Spezialkräfte Einsatz in Mali vor?

Deutsche Anti-Terror-Einheit könnte bei Geiselbefreiung helfen / Diplomaten schließen weitere Opfer nicht aus

Ralph Schulze

Madrid/Bamako. Nach der Bestätigung des Todes der Sahara-Geisel Michaela Spitzer (46) aus Augsburg wächst die Sorge um das Leben der übrigen 14 Gefangenen, die seit gut fünf Monaten in der Hand islamistischer Terroristen sind und seit vergangener Woche im Norden Malis vermutet werden. Diplomaten schließen nicht aus, dass es angesichts der mörderischen Hitze in der Sahara weitere Todesopfer geben könnte, wenn die Gefangenen – neun Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer – nicht bald in die Freiheit entlassen werden. Dem Vernehmen nach steht eine deutsche Anti-Terror-Einheit bereit, um im Notfall, wenn die angebahnten Kontakte zu den Entführern der Terrorgruppe GSPC nicht erfolgreich sein sollten, zum Einsatz kommen könnte.

Demnach handelt es sich bei dieser Eliteeinheit um das „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) der deutschen Bundeswehr. Die KSK, in Baden-Württemberg in der Nähe von Stuttgart stationiert, ist für einen Einsatz in der Sahara bestens vorbereitet und ausgerüstet. Die Armee-Einheit, der rund 1000 Elitekämpfer angehören, wurde in den 90er-Jahren speziell zur Antiterrorbekämpfung und Geiselbefreiung im Ausland gegründet. Die KSK war bereits in vorderster Linie in Afghanistan bei der Bekämpfung islamistischer Terroristen im Einsatz. Sie verfügt über Einheiten, die für „Operationen unter extremen geographischen und meteorologischen Bedingungen“ trainiert wurden.

Die sehr viel kleinere deutsche Antiterrortruppe GSG9, die zum Bundesgrenzschutz gehört und 1977 durch die Erstürmung einer entführten Lufthansa-Maschine im somalischen Mogadischu weltberühmt wurde, ist zwar ebenfalls an den Befreiungsbemühungen beteiligt. Aber mangels Erfahrung im Wüstenkampf hat sie nur eine beratende Funktion.

Nach Angaben aus Berlin und Bern bemühen sich in Mali derzeit rund ein Dutzend Spezialagenten westlicher Sicherheitsbehörden und Diplomaten, die Geiseln zu retten. Dies geschieht auch über Mittelsmänner bei den Tuareg-Nomaden, die ihre Mithilfe zugesagt haben. Nach Angaben von Diplomaten haben diese Einsatzkräfte den schwierigen Auftrag, „herauszufinden, unter welchen Umständen und Bedingungen die Geiseln freikommen können“.

Auch die dem algerischen Geheimdienst nahe stehende Zeitung „El Watan“ bestätigte am Mittwoch, dass die Terroristen mit den 14 verbliebenen Geiseln von Südalgerien in den Nordosten Malis geflüchtet seien. Sie befänden sich nun in der Nähe der Oasenstadt Kidal in der Adrar-Region. Dort seien sie „lokalisiert“ worden.

Diese Darstellung deckt sich mit jenen spärlichen Informationen, die seit Tagen aus Deutschland und auch aus der Schweiz durchsickern. Spätestens seit dem geheimnisvollen Besuch des Staatssekretärs im deutschen Außenministierum, Jürgen Chrobog, vergangene Woche in Malis Hauptstadt Bamako, war bereits klar, dass Mali in diesem Geiseldrama mit im Spiel ist. Mali hatte Zusammenarbeit zugesichert und auch dem Einsatz westlicher Antiterrorkräfte vor Ort zugestimmt.

Wie kompliziert jedoch die Informationsbeschaffung und der Einsatz vor Ort ist, zeigen die Umstände der Todesnachricht der deutschen Geisel Michaela Spitzer. Dem deutschen Bundeskriminalamt und der Bundesregierung war bereits vor einem Monat eine Information zugegangen, wonach eine „weibliche ältere Geisel“ gestorben sei. Bestätigen ließ sich dies dem Vernehmen nach bis vor kurzem nicht.

Woher am Dienstag die plötzliche Gewissheit stammte, dass es sich um Michaela Spitzer handelt, ist nicht ganz klar. Doch wird vermutet, dass algerische und westliche Sicherheitskräfte, welche die Entführer bei ihrer Flucht nach Mali verfolgten, schließlich auf zweifelsfreie Beweise für die traurige Nachricht stießen.

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