Bericht der "New York Times" : IS sichert mit Verhütung systematische Vergewaltigungen

Die Terrormiliz IS hält Tausende Frauen als Sexsklavinnen gefangen. Damit sie ständig missbraucht werden können, verabreicht der IS ihnen Verhütungsmittel.

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Frauen und Mädchen der Jesiden sind Verfolgung und Gewalt der Terrormiliz IS ausgesetzt.
Frauen und Mädchen der Jesiden sind Verfolgung und Gewalt der Terrormiliz IS ausgesetzt.Foto: dpa/EPA/Darek Delmanowicz

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) verteilt laut einem Bericht der "New York Times" Antibabypillen und weitere Verhütungsmittel an verschleppte Frauen, um sie als Sexsklavinnen systematisch missbrauchen zu können.

Die IS-Kämpfer wollten demnach sicherstellen, dass die Frauen nicht schwanger sind, wenn sie vergewaltigt werden. Dies schreibe ein obskures islamisches Rechtsgutachten vor, das der IS als Begründung für das Vorgehen heranzieht. Unklarheiten über die Vaterschaft eines Kindes bei einer der gefangenen Frauen sollten so ausgeschlossen werden.

Die "New York Times" beruft sich auf Schilderungen von mehr als drei Dutzend jesidischer Frauen, die kürzlich aus der Gewalt des IS entfliehen konnten. Die Frauen berichteten demnach von diversen Formen der Verhütung sowie von erzwungenen Abtreibungen, um sie als Sexsklavinnen weiter zur Verfügung zu haben.

Eine junge Frau schilderte der Zeitung, dass ein IS-Mann, der sie als Teenager gekauft hatte, ihr eine Schachtel mit Tabletten gab und sie aufforderte, diese täglich zu nehmen. "Jeden Tag musste ich vor seinen Augen eine Pille schlucken. Er gab mir eine Schachtel pro Monat", sagte die Frau. "Als ich an einen anderen Mann verkauft wurde, musste ich die Schachtel mitnehmen." Erst Monate später habe sie erfahren, dass sie Verhütungsmittel einnahm.

Auch mussten die Frauen Schwangerschaftstests machen, bevor sie an einen anderen IS-Kämpfer weiter verkauft wurden. Dazu wurden sie in ein Krankenhaus gebracht. Das Ergebnis des Tests erwarteten sie so oder so mit Furcht: Ein positiver Test bedeutete, dass sie das Kind ihres Peinigers in sich trugen; ein negativer Test hieß, dass sie weiter vergewaltigt wurden.

Bei der Untersuchung von mehr als 700 jesidischen Frauen, die aus der Gefangenschaft des IS entkommen konnten, stellten Ärzte in einer von den Vereinten Nationen unterstützten Klinik im Irak nur bei fünf Prozent der Frauen eine Schwangerschaft während der Zeit ihrer Versklavung fest. Diese erstaunlich niedrige Rate spreche für eine systematische Geburtenkontrolle während der Gefangenschaft der Frauen. "Wir hatten eine weitaus höhere Quote erwartet", zitiert die Zeitung den Mediziner Nezar Ismet Taib, der die Klinik leitet.

Die 37 Frauen, die der "New York Times" ihre schrecklichen Erfahrungen aus der IS-Gefangenschaft schilderten, berichteten zudem, dass die Kämpfer der Terrormiliz die Regeln unterschiedlich streng auslegten. Während ältere IS-Kämpfer auf doppelter oder dreifacher Verhütung bestanden, hielten sich jüngere Kämpfer weniger an die Regeln des IS. (Tsp)

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