Bericht : Deutschland bleibt Europas Rüstungsexporteur Nummer eins

Die Welt rüstet weiter auf - ganz vorn mit dabei ist die Bundesrepublik. Rüstungsexperte Hans Blix kritisiert die Tendenz und fordert von den Staaten unter anderem mehr Anstrengungen, um die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verhindern.

BonnDie globalen Militärausgaben stiegen zwischen 2001 und 2006 um etwa 30 Prozent auf 1,18 Billionen Dollar (762,8 Milliarden Euro), wie aus dem am Donnerstag vorgestellten Jahresbericht 2007/2008 des Internationalen Konversionszentrums Bonn (BICC) hervorgeht. Auch in Deutschland würden die Militärausgaben 2010 die Marke von 30 Milliarden Euro überschreiten, sagte Abrüstungsexperte Hans Blix voraus. Die Bundesrepublik bleibe Spitzenreiter in Europa beim Rüstungsexport.

Die deutschen Ausfuhren an Rüstungsgütern stiegen laut BICC von 6,2 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2006. Allein in Entwicklungsländer gingen 2006 Exporte im Wert von 933 Millionen Euro. Deutschland ist damit weltweit hinter den USA und Russland der drittgrößte Exporteur von Rüstungsgütern, wie BICC-Experte Marc von Boemcken feststellte.

Blix bfürchtet neues Wettrüsten

Blix kritisierte, dass Abrüstungsverhandlungen zum Stillstand gekommen seien. Der Vorsitzende der Internationalen Kommission zu Massenvernichtungswaffen befürchtet Tendenzen zu einem neuen Wettrüsten. Als Beleg nannte er unter anderem Pläne der USA, eine neue Atomwaffe zu bauen, sowie die Aufstockung des Haushaltsansatzes der US-Regierung für das Raketenabwehrprojekt 2007 um elf Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro).

Trotz dieser Entwicklung beurteilte Blix die Chancen für eine nukleare Abrüstung als "nicht schlecht". Er forderte mehr Anstrengungen, die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Der Nichtverbreitungsvertrag bleibe dazu der "wichtigste Eckpfeiler der internationalen Bemühungen um eine atomwaffenfreie Welt".

Fast die Hälfte aller Militärausgaben gehen auf die USA

Unter anderem sollten die Staaten des Nahen Ostens einschließlich Israel und dem Iran dazu bewegt werden, die Produktion von waffenfähigem Uran und Plutonium einzustellen und im Gegenzug Brennstoff für zivile Kernkraftwerke zu liefern.

Hoffnungen knüpfte Blix unter anderem an politische Veränderungen in den USA. Im Jahr 2006, dem letzten mit verlässlichen Zahlen, entfielen mit 528 Milliarden US-Dollar (348 Milliarden Euro) fast die Hälfte der weltweiten Militärausgaben auf die USA. Auf den weiteren Plätzen folgten das Vereinigte Königreich (38,10 Milliarden Euro), Frankreich (34,23 Milliarden Euro), China (32,29 Milliarden Euro) und Deutschland (27,87 Milliarden Euro). (ut/AFP)

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