Bericht zum "Islamischen Staat" : UN werfen IS Völkermord vor

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ ist nach Recherchen der Vereinten Nationen für Völkermord und Kriegsverbrechen verantwortlich. Die systematischen Angriffe auf die religiöse Minderheit der Jesiden im Irak seien als Genozid einzustufen.

Auf der Flucht: Von den Kämpfern des IS verfolgte jesidische Familien im August 2014.
Auf der Flucht: Von den Kämpfern des IS verfolgte jesidische Familien im August 2014.Foto: Reuters

Die Bluttaten der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak haben nach Einschätzung von UN-Experten das Ausmaß von Völkermord erreicht. Zudem würden die IS-Terroristen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Genf. Darin werden auch der irakischen Armee schwere Verbrechen vorgehalten.

Der Vorwurf des Völkermords gegen den IS bezieht sich auf die gezielte Tötung von Menschen, die zur religiösen Minderheit der Jesiden gehören. Die Experten fordern die Einschaltung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag.

Der IS habe die Absicht verfolgt, die „Jesiden als eine Gruppe zu zerstören“, schreiben die Autoren des UN-Berichts, der auf die Befragung von mehr als 100 Zeugen und Überlebende durch Ermittler beruht. Der Report des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte deckt den Zeitraum Juni 2014 bis Februar 2015 ab und entstand auf Initiative der irakischen Regierung.

Die IS-Milizen hätten Hunderte jesidische Männer zusammengetrieben und ermordet. Jesidische Jungen im Alter zwischen 8 und 15 Jahren seien vom IS verschleppt und zur Konvertierung zum Islam gezwungen worden. Danach habe man die Jungen für den Dschihad gedrillt. Mädchen und Frauen seien von den Terroristen vergewaltigt und als Sexsklavinnen verschleppt worden.

Zudem berichten die UN-Autoren von schweren Verbrechen des sunnitischen IS an schiitischen Muslimen. Dazu gehört das Massaker an 600 Männern in einem Gefängnis im Juni 2014. Bis Anfang August 2014 seien rund 200.000 Christen und Angehörige anderer Minderheiten im Irak vor den anrückenden Terroreinheiten geflohen. Die marodierenden Milizen hätten Kirchen und andere Gebäude in den eroberten Gebieten zerstört.

Schwere Vorwürfe auch
gegen die irakische Armee

Das UN-Hochkommissariat beschuldigt auch die irakischen Regierungstruppen und verbündete Einheiten, schwere Verbrechen im Kampf gegen den IS verübt zu haben. Zu den Taten zählten Folter, Entführungen, Vertreibungen und willkürliche Hinrichtungen, unter den Opfern seien auch Zivilisten gewesen.

Die Jesiden bilden eine eigene Religionsgemeinschaft. Weltweit bekennen sich nach Schätzungen 800.000 Menschen zum jesidischen Glauben. Die Mehrheit von ihnen lebt im Nordirak. Jesiden gibt es auch in Syrien, Armenien, Georgien, der Türkei und im Iran. dpa

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