Politik : Berichte über öffentliche Hinrichtungen von christlichen Geistlichen

Harald Maas

Mit drakonischen Strafen und zum Teil öffentlichen Hinrichtungen geht Nordkoreas kommunistisches Regime gegen christliche Missionare vor, die von China aus in das abgeschottete Land reisen. Flüchtlinge aus dem Hungerland berichteten über öffentliche Schauprozesse. Die Hinrichtungen würden in der Regel durch öffentliche Erschießungen vollstreckt werden.

Der südkoreanische Menschenrechtsorganisation "Good Friends", die in der chinesischen Yanbian-Grenzregion ein Hilfsnetzwerk für nordkoreanische Hungerflüchtlinge unterhält, liegen Hinweise über zumindest drei Hinrichtungen von christlichen Predigern im vergangenen November vor. "Wir haben so viele unabhängige Informationen von Erschießungen von Missionaren, dass wir diese Berichte für authentisch halten", sagt die Sprecherin Erica Kang in Seoul. Einzelheiten über die Getöteten seien nicht bekannt, weil die Schauprozesse nicht in den staatlichen Medien erwähnt werden.

In einer Reihe von heimlichen Interviews bestätigten nordkoreanische Flüchtlinge das brutale Vorgehen des Regimes. "Mindestens einmal im Monat gab es in unserer Stadt eine öffentliche Hinrichtung, da waren auch christliche Prediger darunter", sagte ein 28jähriger Bauer aus dem nördlichen Dorf Changhyon-Ri, der vor drei Monaten über die Grenze nach China geflüchtet war. Andere Angeklagte seien wegen Diebstahls von Nahrungsvorräten, Stromgeneratoren und wegen Mordes hingerichtet worden.

Für die Bevölkerung sei es Pflicht gewesen, an den Schauprozessen teilzunehmen, sagte eine Frau aus Rangnin, die seit Juli heimlich bei einer koreanischen Familie in China lebt. "Wir mussten Schmährufe brüllen, einige haben auch Steine geworfen." In vielen Orten seien öffentlichen Plakate aufgehängt, auf denen die Regierung vor der Verbreitung des Christentums warnt, berichten Flüchtlinge.

Bei den Missionaren handelt es sich offenbar um Nordkoreaner, die wegen der Hungersnot nach China geflüchtet waren und dort zum Christentum bekehrt wurden. Schätzungen zufolge sind in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 000 Nordkoreaner heimlich nach China eingereist, um bei der koreanischsprechenden Minderheit im chinesischen Grenzgebiet Nahrung und Unterschlupf zu finden. Wenn die Polizisten die Flüchtlinge aufgreift, liefern sie sie nach Nordkorea aus.

Hilfe bekommen die Flüchtlinge in China fast nur heimlich von den Kirchen. In christlichen Untergruppen, die als eine Art Zellensystem strukturiert sind, werden nordkoreanische Jugendliche unterrichtet und dabei auch zum Christentum konvertiert. Mit den drakonischen Strafen will Nordkoreas Regime offensichtlich den wachsenden Einfluss aus China aufhalten. Durch die Hungersnot haben sich die staatlichen Kontrollen in dem stalinistischen Land aufgeweicht.

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