Politik : Berichte über Ohrfeige ärgern Müntefering

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Berlin Der Umgang der Medien mit der Ohrfeigen-Attacke auf Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in der SPD-Spitze Bestürzung ausgelöst. „Ich bin entsetzt, wie da jemand hochgeschrieben wird zum Robin Hood aus dem Schwarzwald“, sagte SPD-Chef Franz Müntefering am Montag nach der Sitzung des SPD-Präsidiums. Ein arbeitsloser Lehrer aus dem Schwarzwald hatte vergangene Woche in Mannheim den Kanzler geohrfeigt. In einem zweiseitigen Bericht im „Spiegel“ erklärte der 52-Jährige später, er habe Schröder nicht verletzen, wohl aber gegen Arbeitslosigkeit und Sozialabbau sowie den Bruch von Wahlversprechen protestieren wollen.Der Angreifer muss sich am Freitag vor dem Mannheimer Amtsgericht verantworten.

Es habe das Präsidium betroffen gemacht, wie in den Medien mit dem Vorfall umgegangen werde, sagte Müntefering. Der Gewalttäter habe nicht aus einer Gefühlsaufwallung heraus gehandelt, sondern sei kalkuliert vorgegangen und solle deshalb nicht durch „Glorifizierung“ belohnt werden. Der SPD-Chef warnte, ein bewusst verächtlicher Umgang mit Politikern sei für die Demokratie insgesamt sehr gefährlich: „Es gibt nicht demokratische Ersatzparteien, die man aus dem Keller holt, wenn man sich an den alten genügend die Füße abgeputzt hat.“ Auch Schröders Ehefrau Doris Schröder-Köpf und Innenminister Otto Schily (SPD) hatten sich am Wochenende gegen die Berichterstattung des „Spiegel“ gewandt. Nachahmer würden durch solche Artikel geradezu ermuntert, warnte die Kanzlergattin. hmt

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