Politik : Berlin, Bayern

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wir setzen heute das gestrige Thema vom Flanieren und Politisieren fort. Gut 200 Meter, auf rötlichen Holzpanelen über feinem Sand, kann man am Bundespressestrand flanieren. „Bild“ widmete der temporären Sommerattraktion gerade eine knappe Seite. Sensationelles war nämlich zu vermelden: Der Bundespressestrand hat angeblich die gebildetsten Barkeeper der Republik. Jeder, der einem den Wein einschenkt, das Bier zapft oder den Caipi mixt, ist Akademiker. Laut „Bild“ dazu noch arbeitslos. Am Montag abend sorgte dies für Gesprächsstoff, da der eine oder andere sein Engagement eher als Teilnahme an einem Event denn als Not-Job gegen die Arbeitslosigkeit versteht. Jedenfalls trieb es auch Rezzo Schlauch, den grünen Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, und Irmgard Schwaetzer, die ehemalige FDP-Ministerin, an den Bundespressestrand. Schwaetzer sang ein Loblied auf Berlin, Schlauch eines auf Stuttgart.

Richtig politisch wurde es für jene, die das Flanieren indes unterbrachen. Mitten am Berliner Improvisations-Strand breitete sich ein Stück Bayern aus. Blauweißer Schirm, Poster mit landschaftlichen Schönheiten der Voralpen, und dazu gab es original Tegernseer Spezial, ein Bier, das Kenner als sehr süffig rühmen. Sogar die Tonkrüge der dazugehörigen Brauerei standen bereit. Dies hatte viel mehr mit Politik zu tun, als sich dem ahnungslosen Betrachter erschloss, war es doch Teil des Fundraisings eines FDP-Landtagskandidaten. Der möchte am Tegernsee die fünf Prozent überspringen. In Bayern wird am 21. September nämlich gewählt. Wir dürfen täglich wählen: flanieren oder politisieren, in Berlin oder Mini-Bayern am Bundespressestrand.

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