Politik : Berlin befürchtet US-Militärschläge in Iran

Experten der Bundesregierung nehmen Drohung von Bush ernst, rechnen aber nicht mit kurzfristigen Aktionen

Stephan-Andreas Casdorff

Berlin - Die Bundesregierung ist sehr in Sorge wegen der angespannten Beziehung zwischen Iran und den USA. Nach Auswertung aller vorliegenden Erkenntnisse gehen ihre Experten davon aus, dass die Amerikaner die Anwendung militärischer Gewalt gegen das Teheraner Regime durchaus ernst meinen. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Regierungskreisen. International ist das Teheraner Regime bereits mehrmals aufgefordert worden, das Streben nach Atomwaffen aufzugeben, bisher erfolglos. Warnungen aus den USA wurden unlängst auch vom iranischen Präsidenten gering geschätzt. Für die Bundesregierung hat Außenminister Joschka Fischer bereits vor Monaten, nach Kontakten mit der Führung in Iran, öffentlich seine Besorgnis bekundet. Die Haltung Teherans ist dennoch unverändert. Nach Expertenmeinung wird sie sich auch nicht ändern, weil die nukleare Option inzwischen zum nationalen Selbstverständnis gehöre.

In den USA hat nicht zuletzt dieses Verhalten die Erinnerung an die Botschaftsbesetzung in Teheran Ende der Siebzigerjahre wiederbelebt. Der Befreiungsversuch mit einer Kommandoaktion endete damals in einem Fiasko und kostete Präsident Jimmy Carter das Amt. Iran hat auch deshalb in den USA keine Lobby, vielmehr heißt es in jüngster Zeit häufiger, das so etwas nie wieder passieren dürfe.

Zunächst will die neue Regierung des wiedergewählten Präsidenten George W. Bush die UN mit dem Fall Iran befassen. Seine designierte Außenministerin Condoleeza Rice erklärte bereits sehr betont, die Zeit für Diplomatie sei „jetzt“. In seiner Inaugurationsrede sagte Bush an die Adresse der Verbündeten gewandt, er benötige ihren Rat und ihre Hilfe. Allerdings machte er auch klar, dass seine Regierung im Kampf um die Freiheit weltweit jede Herausforderung annehmen werde.

Mit einem groß angelegten Angriff der USA wird gegenwärtig nicht gerechnet, wohl aber mit präzisen Schlägen gegen einzelne Einrichtungen in Iran, falls die Vermittlungsversuche in den UN in den nächsten Wochen und Monaten keine Annäherung bringen. Der Einsatz zum Beispiel von Bunker brechenden Waffen gegen inzwischen gebaute Einrichtungen des Regimes wird für realistisch gehalten. Warnungen an Iran aus dem Kreis der US-Verbündeten haben keine Wirkung erzielt. Ein US-Eingreifen ist außerdem vor dem Hintergrund zu sehen, dass Israel nicht auf Dauer tatenlos zusehen will, wie sich Iran das Atompotenzial beschafft. Das erhöhe den Handlungsdruck noch einmal, sagen Regierungsexperten.

US-Botschafter Daniel Coats forderte in einem Beitrag für den Tagesspiegel, Bushs zweite Amtszeit zu mehr Kooperation zu nutzen.

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