Politik : Berlin ist die Hauptstadt der Schwarzarbeit

Sigrid Kneist

Berlin - In Berlin wird mehr als jeder fünfte Euro durch illegale Arbeit verdient. Berlin bleibt damit die Hauptstadt der Schwarzarbeit. Der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt liegt hier ähnlich hoch wie in Bayern und Baden-Württemberg, die ebenfalls im Spitzenfeld liegen.

Einer Studie des Linzer Wirtschaftswissenschaftlers Friedrich Schneider zufolge ist jedoch das Ausmaß der illegalen Beschäftigung auch in Berlin wie im gesamten Bundesgebiet zum ersten Mal seit Jahren leicht rückläufig. Schneider rechnet damit, dass in Berlin der Anteil der Schattenwirtschaft in diesem Jahr von 23,8 Prozent auf 22,9 Prozent sinken wird. Der Rückgang soll auch 2005 anhalten. Bundesweit geht Schwarzarbeitsexperte Schneider auch für das kommende Jahr von einem Anteil der Schattenwirtschaft von 16,4 Prozent aus.

Als Gründe für die Trendwende nannte Schneider die Reformen am Arbeitsmarkt wie Mini-Jobs und Ich-AGs, die teilweise Neuregelung der Handwerksordnung sowie Steuersenkungen. Auch die härtere Bekämpfung der Schwarzarbeit trug nach Schneiders Auffassung dazu bei. Diese hat auch für Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) Priorität. Allerdings gebe es in großen Teilen der Gesellschaft kein Unrechtsbewusstsein, sagte sein Sprecher Christoph Lang: „Schwarzarbeit gilt als Kavaliersdelikt.“ Deswegen sei es notwendig, dass Verstöße streng geahndet werden. „Wir brauchen hohe Bußgelder“, sagte Lang.

Dass Berlin bei der Schwarzarbeit so deutlich über dem deutschen Durchschnittswert liegt, erklärt Schneider unter anderem damit, dass Berlin als Bundeshauptstadt und durch die rege Bautätigkeit „besonders anfällig für schattenwirtschaftliche Aktivitäten ist“. Knapp 40 Prozent der illegalen Beschäftigung betreffen seiner Studie zufolge das Baugewerbe und das Handwerk.

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