Politik : Berlin verspricht mehr Geld für Afrika

Eine Beratungsagentur versucht die selbst verschuldeten Hürden zu beseitigen

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Berlin - Zwei Milliarden Euro für Afrika. Mit dieser Zahl will Bundeskanzlerin Angela Merkel nach „Spiegel“-Informationen in den G-8-Gipfel in Heiligendamm gehen. Die Hälfte davon soll für die Aids- Bekämpfung aufgebracht werden. Das hatte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bereits angedeutet. Doch die Mittel für Afrika sollen insgesamt aufgestockt werden, denn Schulden gibt es inzwischen kaum noch zu erlassen. Das ist offenbar ganz im Sinne der Bürger. In einer Umfrage im Auftrag der Hilfsorganisation Oxfam sagten 71 Prozent, sie befürworteten eine Verdopplung der Entwicklungshilfe bis 2015. Mehr als die Hälfte ist überzeugt davon, dass die Armut in den Entwicklungsländern auch auf sie selbst Auswirkungen hat.

Omari Issa lacht über die Hindernisse auf dem Weg zur eigenen Firma in Afrika – und versucht ihnen zu Leibe zu rücken. Kaum einer kann schönere Geschichten darüber erzählen, wie die Wirtschaft in Afrika ausgebremst wird, als der Tansanier, der die „Investment Climate Facility“ (ICF) leitet. Diese Beratungsagentur zur Verbesserung des Investitionsklimas in Afrika geht auf den G-8-Gipfel in Gleneagles vor zwei Jahren zurück. Unter britischem Vorsitz hatte sich der Club der sieben wichtigsten Industrienationen und Russland (G 8) intensiv mit den Problemen des Kontinents auseinandergesetzt. Damals versprachen die G 8 nicht nur viel mehr Geld, sondern auch Hilfe bei der Bewältigung struktureller Probleme.

Oamri Issa berichtet von einem Land, das offenbar selbst den Überblick verloren hatte. Es stellte fest, dass es 1325 verschiedene Lizenzen für Unternehmen ausgegeben hatte. Allein um einen Supermarkt zu eröffnen, habe man 13 unterschiedliche Lizenzen gebraucht, die noch dazu jedes Jahr erneuert werden mussten. Oder: Wer von Libreville, der Hauptstadt Gabuns, nach Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos fliegen will, muss den Weg über Paris nehmen. Eine andere Verbindung gibt es nicht.

Omari Issa hofft, bis 2013 – so lange soll die IFC arbeiten – den Handel in Afrika erleichtern zu können, Unternehmen beim Wachstum zu helfen und zum Aufbau der Finanzmärkte beizutragen. Bis Mai hofft er, mit der IFC eine Heimat in Afrika gefunden zu haben. Bisher ist die Agentur in Großbritannien registriert, weil es nicht möglich war, sie in einem afrikanischen Land zu registrieren. „Ist das nicht komisch?“, fragt er. Bisher hat sich Deutschland nicht an der IFC beteiligt. Issa hat vor kurzem Gespräche mit dem Entwicklungsministerium geführt. Auf beiden Seiten gibt es Interesse. Die Agentur wird auch von Privatunternehmen unterstützt, unter anderem von Shell, Coca-Cola, Microsoft, Unilever und Celtel. deh

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