Politik : Berlin will „Konkurrenz der Ideen“

Matthias Meisner

Berlin - Türkische Imame lernen Deutsch, junge Iraker nehmen an einem Radioprojekt teil, Musliminnen informieren sich bei einer Tagung in Berlin über Frauenrechte und im Zentrum Kabuls wird der Babur-Garten, die einzige öffentliche Grünanlage der Stadt, mit Geldern aus dem deutschen Staatshaushalt wiederhergestellt – vier Beispiele dafür, dass der „Dialog der Kulturen“ zwischen Europa und dem Islam bereits läuft. Und das, so die Bilanz des Auswärtigen Amtes in Berlin, gar nicht so schlecht.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA hat die Behörde ein Sonderprogramm „Europäisch-islamischer Kulturdialog“ gestartet, um das Verständnis zwischen westlicher und islamischer Welt zu fördern. Im Auswärtigen Amt gibt es seitdem einen Beauftragten für das Thema – gegenwärtig hat das Amt Hans-Günter Gnodtke inne, ihm zugeordnet ist ein eigener Arbeitsstab mit mehreren Mitarbeitern. Auch in den Botschaften islamisch geprägter Länder wurde das Personal verstärkt, um gemeinsam mit den Goethe-Instituten, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und anderen Projekte anzuschieben. Das Außenamt sieht diese Zusammenarbeit als „Kernbereich“ deutscher Außenpolitik. Ausdrücklich sollte es nicht darum gehen, nach den Anschlägen in den USA „nur ein Strohfeuer“ abzubrennen.

Worum es geht, erläuterte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vor wenigen Wochen in Kairo – Deutschland war dort Gastland der Buchmesse. Deutschland engagiere sich im Nahen und Mittleren Osten nicht mit dem Ziel, das „System des Westens dort zu oktroyieren“. Stattdessen gehe es darum, „unseren Weg aufzuzeigen, in der Absicht, ihn in der Konkurrenz der Ideen zur Diskussion zu stellen“.

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