Politik : Berlin wird bunter

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Auf Bali ist das Taxi blau und heißt „Taksi“. In New York ist es gelb, jeder nennt es „cab“. In Deutschland ist es bekanntlich elfenbeinfarben, das ist vorgeschrieben. Wie es heißt, weiß keiner so genau, der eine nennt den Singular „Taxe“ und den Plural „Taxen“, der andere bevorzugt „Taxi“ und „Taxis“. Im befreundeten deutschsprachigen Ausland kommen noch die Varianten „der Taxi“ (Schweiz) und „Taxilenker“ oder auch „Taxler“ (Österreich) hinzu. So viel Vielfalt! Nur auf die Farbe Elfenbein in Deutschland war bislang Verlass. Bislang. Am Freitag hat der Bundesrat einer Initiative zugestimmt, dass künftig auch andere Farben statthaft sind. Nun muss das Verkehrsministerium aktiv werden und eine entsprechende Verordnung dichten – es dauert also noch. Doch bald werden schwarze und silberne Wagen vorrollen, und bei Ersteren darf sich der Normalbürger dann wie ein Bundestagsabgeordneter fühlen, der seine Fahrbereitschaft herbeizitiert hat. Haben wir nun zu den Taxi-Farben oder Taxen-Kolorierungen eine Meinung? Hauptsächlich die, dass der Bundesrat weise ist. Er hat dies nämlich gestern entschieden, zum Ausklang des Jahres 2003. Dies ist bedeutsam. Die Argumente der Umfärber zielen auf den höheren Wiederverkaufswert der Autos, wenn sie nicht hell sind (wir dachten, dieses Problem sei durch Klebe-Folien längst gelöst), und auf die Vergrößerung der erlaubten Werbeflächen, die gleich mit beschlossen wurde. Warum das wichtig ist?

Hätte der Bundesrat 1971 die Taxifarben liberalisiert, dann führen heute selbstbemalte Wagen im Blümchentapetenmuster oder mit Sonnenblumen durch die Stadt. Und das wollen wir nicht. Auch Liberalismus braucht Grenzen.

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