Politik : Berliner Ditmar Staffelt unterliegt in Kampfabstimmung

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Die SPD-Bundestagsfraktion hat den hessischen Abgeordneten Norbert Wieczorek zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Der 60-jährige Wieczorek setzte sich mit 154 Stimmen in einer Kampfabstimmung gegen den Berliner Abgeordneten Ditmar Staffelt durch, der 115 Stimmen erhielt. Wieczorek wird in der Fraktionsführung zuständig für Wirtschaftspolitik und tritt die Nachfolge von Ernst Schwanhold an, der ins nordrhein-westfälische Landeskabinett gewechselt ist.

Fraktionschef Peter Struck hat sich im Vorfeld der Entscheidung für Staffelt ausgesprochen, der auch als Wunschbesetzung von Bundeskanzler Gerhard Schröder galt. Struck hatte sein Votum im Fraktionsvorstand jedoch mit der Bemerkung verbunden, es handle sich für ihn nicht um eine Prestigefrage. Der Wahlausgang galt nach einer Empfehlung des Fraktionsvorstands, der sich überraschend gegen den Vorschlag Strucks mit 18 zu 13 Stimmen für Wieczorek ausgesprochen hatte, als offen.

Wieczorek wurde 1980 zum ersten Mal in den Bundestag gewählt. Er ist bisher europapolitischer Sprecher der Fraktion und wurde mit seiner Kandidatur vom linken Flügel unterstützt. Ausschlagend für seinen Stimmenvorsprung dürfte jedoch seine im Vergleich zu Staffelt lange Parlamentserfahrung gewesen sein. Der 50-jährige Staffelt gehört dem Bundestag erst seit 1998 an und wurde schnell zum wirtschaftspolitischen Sprecher gewählt. Er hat eine lange Laufbahn in der Berliner Landespolitik hinter sich, von 1992 bis 1994 war er SPD-Landesvorsitzender. Seine Bewerbung um den Stellvertreterposten hatte die Unterstützung des "rechten" Seeheimer Kreises der Fraktion, dem er selbst aber nicht angehört. Für Staffelts Wahl hatte auch die Gruppe der jungen Abgeordneten geworben, auch der wirtschaftspolitische Arbeitskreis hatte sich für ihn ausgesprochen.

Struck war im Vorfeld der Wahl dem Eindruck entgegengetreten, es handle sich hier um eine Richungsentscheidung. Der Fraktionschef hatte sich zunächst für die 31jährige Abgeordnete Birgit Roth ausgesprochen, war damit aber bereits in der engeren Fraktionsführung gescheitert. Im Umfeld Strucks reagierte man betont gelassen auf das Wahlergebnis. Allensfalls der deutliche Abstand sei überraschend. Es hieß, dass die lange Zugehörigkeit Wieczoreks zur Fraktion sich als bindend erwiesen habe.

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