Berliner Ensemble : Christian Klar soll als Praktikant "die Fresse halten"

Nach seiner Haftentlassung im Januar wird Christian Klar, ehemaliger RAF-Terrorist, ein Praktikum am Berliner Ensemble beginnen. Er soll dabei aber weder auf der Bühne stehen, noch sonst die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So plant es die Theaterleitung.

Christian Klar
Christian Klar. Demnächst als Praktikant beim "Berliner Ensemble". -Foto: dpa

BerlinDer frühere RAF-Terrorist Christian Klar wird bei seinem geplanten Praktikum am Berliner Ensemble (BE) weder auf der Bühne stehen noch Kontakt zu den Zuschauern haben. Klar dürfe sich am früheren Brecht-Theater auch nicht fotografieren oder interviewen lassen, kündigte der Betriebsratsvorsitzende des Theaters, Dirk Meinelt, in einem Gespräch mit dem Berliner Stadtmagazin "Zitty" an. Es gehe auch nicht darum, dass Klar am BE "eine politische Plattform erhält", sondern "einen Job in der Bühnentechnik". Man habe ihm deutlich gesagt, "er soll die Fresse halten".

Klar, der Anfang Januar nach 26 Jahren aus der Haft entlassen werden soll, werde in der Bühnentechnik 40 Stunden pro Woche im Schichtdienst arbeiten. "Er hat natürlich keine Ausbildung, er hat gar nichts und kommt hier als Einsteiger ans Haus. Der hat sich hier auch anzupassen, fertig." Die Arbeit in der Technik des von Claus Peymann geleiteten Theaters sei "richtiges Milieu", das sei "schon ein bisschen derb und ein sehr raues Klima". Der Betriebsrat betonte, man habe sich die Entscheidung in Sachen Klar nicht leicht gemacht. Es habe viele Diskussionen und mehrere Treffen und Gespräche mit Klar seit November 2004 gegeben.

Die Opfer respektieren

Die Unionsfraktion im Bundestag forderte, Klar nach seiner Freilassung "keine öffentliche Bühne" zu geben. "Einem rechtskräftig verurteilten Verbrecher nach dessen Freilassung ein Forum in Talkshows bei ARD, ZDF oder den Privaten zu bieten, wäre für Opfer und ihre Familien unerträglich", meinten die kultur- und medienpolitischen Sprecher ihrer Fraktion, Wolfgang Börnsen und Günter Krings, in einer Presseerklärung. "Wir appellieren daher an die Medienvertreter, die Opfer zu respektieren und auf Einladungen an Klar zu verzichten."

Es dürfe nicht vergessen werden: Klar, der an den Attentaten auf Hanns Martin Schleyer, Siegfried Buback und Jürgen Ponto beteiligt war, schweige über seine Taten und zeige keine Reue. "Nicht das Leben der Täter, sondern die immer noch nicht gänzlich aufgeklärten Taten sollten im Mittelpunkt des Interesses stehen." (mpr/dpa)

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