Politik : Berliner Ex-Grüne will in Rostock OB werden

Andreas Frost

Rostock - Die ehemalige Berliner Bündnisgrüne Ida Schillen will nach der Direktwahl des Oberbürgermeisters am 27. Februar 2005 Rostock regieren. In der Bürgerschaft der größten Stadt Mecklenburg-Vorpommerns stößt die inzwischen parteilose Kultursenatorin, die für die PDS kandidiert, allerdings auf eine übergroße Ablehnungskoalition. CDU, SPD, Bündnisgrüne und FDP wählten Schillen als amtierende OB ab. Sie hatte das Amt seit November nach dem vorzeitigen Rücktritt von Arno Pöker (SPD) inne. Inkompetenz und Amtsmissbrauch lauten die Vorwürfe. Schillen spricht von „ehrabschneidenden Halbwahrheiten“. Die Koalition wolle nur den Filz in der Stadt schützen.

2001 kam Schillen aus Berlin als Senatorin für Kultur, Schule und Sport nach Rostock. Die studierte Stadtplanerin ist engagierte Feministin und war streitbares Mitglied der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Als baupolitische Sprecherin wollte sie ab 1995 „die undurchsichtigen Machenschaften, Filz und Korruption des CDU-SPD-Senats“ aufdecken. Stadtgespräch an der Spree war Schillens Handgemenge mit der Polizei, als sie mit Maria-Callas-Arien aus dem offenen Fenster ihrer Wohnung heraus die Grundsteinlegung für die päpstliche Nuntiatur störte. 1999 trat Schillen bei den Grünen wegen deren Kurs im Kosovokonflikt aus.

In Rostock blockierte Schillen den Stadthaushalt, weil durch ihn „der Ausverkauf“ städtischen Vermögens fortgesetzt werde. Und sie weist darauf hin, dass die zahlreichen „Schattenhaushalte“ der städtischen Eigenbetriebe meist von SPD-nahen Geschäftsführern verwaltet werden. Trotz ihrer Abwahl als amtierende OB hat Schillen durchaus Chancen, richtige OB zu werden. Bereits jetzt taten sich Risse in der Abwahl-Koalition auf. CDU-OB-Kandidat Dieter Schürken schob der SPD die Schuld für das imageschädigende Gerangel im Rostocker Rathaus in die Schuhe.

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