Politik : Berliner gründlich enttäuscht über Arbeit der Großen Koalition

Umfrage im Auftrag von Tagesspiegel und SFB / Rot-Grün mehrheitsfähig / CDU bei 25 Prozent BERLIN (za).Die Berliner, vor allem im Ostteil der Stadt, sind "in hohem Maße unzufrieden" mit der Arbeit des Senats.Nur 21 Prozent der Wahlberechtigten sprechen sich für die Fortsetzung der Großen Koalition nach den nächsten Abgeordnetenhauswahlen aus.Dagegen befürworten 39 Prozent die Bildung einer rot-grünen Koalition unter Ausschluß der PDS.Nach dem Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Infratest im Auftrag von Tagesspiegel und SFB wäre dies rechnerisch auch möglich.Wenn jetzt Wahlen stattfänden, könnte die SPD mit 36 Prozent und Bündnis 90/Die Grünen mit 16 Prozent der Stimmen rechnen.Die CDU rutscht nach der Umfrage, die zwischen dem 5.und dem 11.März stattfand, bei der "Sonntagsfrage" auf einen Wähleranteil von 25 Prozent ab, die PDS kommt auf 13 Prozent.Die FDP wäre mit drei Prozent der Stimmen auch künftig nicht im Landesparlament vertreten.Bei der Abgeordnetenhauswahl im Oktober 1995 erreichte die CDU 37,4 und die SPD 23,6 Prozent der Zweitstimmen.Fast zwei Drittel der Befragten glauben, daß die Berliner Sozialdemokraten von dem guten Abschneiden des SPD-Bundestagsspitzenkandidaten Gerhard Schröder in Niedersachsen profitierten.Auch die Meinungsforscher weisen darauf hin, daß der Bundestrend das Stimmungsbild in Berlin stark präge."Mit Rückschlüssen auf den tatsächlichen Ausgang der nächsten Abgeordnetenhauswahlen sollte man aber vorsichtig sein." Die Probleme der Stadt und das Ansehen der CDU- und SPD-Spitzenkandidaten würden das Wahlverhalten mitbestimmen.Dabei hat der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) momentan deutliche Pluspunkte vor seinen möglichen Herausforderern.Nach der Bürgermeisterin und Arbeitssenatorin Christine Bergmann (SPD), die im Durchschnitt die "Schulnote" 3,1 bekam, folgt der Berliner Regierungschef mit der Note 3,2 noch vor Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) und Schulsenatorin Ingrid Stahmer (SPD).Der Bekanntheitsgrad Diepgens liegt konkurrenzlos bei 94 Prozent; 81 Prozent kennen die ehemalige SPD-Spitzenkandidatin Stahmer.Auf die Frage, wer für die CDU bei den nächsten Wahlen Spitzenkandidat werden sollte, antworteten 32 Prozent: Eberhard Diepgen.Für Schönbohm sprechen sich lediglich neun Prozent der Befragten aus.Bei der SPD ergibt sich nach Angaben der Meinungsforscher "ein sehr diffuses Bild." Zehn Prozent sähen gern den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper als SPD-Spitzenkandidaten, fünf Prozent plädieren für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Klaus Böger, etwas weniger für die Senatorinnen Bergmann, Stahmer und Annette Fugmann-Heesing.Nur ein Prozent der Befragten - ausschließlich Anhänger der Grünen und der PDS - favorisieren Umweltsenator Strieder.

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