Politik : Berliner Luft

Von Moritz Döbler

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Berlin, das war einmal die deutsche Wirtschaftsmetropole. Frankfurt, München, Hamburg lagen auch ökonomisch in der Provinz. Natürlich hatte die Deutsche Bank ihren Sitz in der Hauptstadt. Wo denn sonst? Siemens stammt aus Berlin, und der Vorläufer der Lufthansa wurde hier gegründet. Die Liste der Abgewanderten ist lang, die goldenen Zeiten sind lange vorbei. Der Krieg, die Teilung haben die Ökonomie Berlins zerstört. Da werden Hiobsbotschaften die Regel und die Suche nach positiven Aspekten. Schering verliert seine Unabhängigkeit, aber Bayer wertet Berlin als Standort auf – so lauten solche tröstenden Formeln.

Und jetzt das: Kaum ist Air Berlin, die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft, die den Namen der Stadt stolz in ihrem Namen trägt, mit Ach und Krach an der Börse gelandet, kauft sie überraschend den Konkurrenten dba und sagt der Lufthansa den Kampf an. Man möchte jubilieren, man möchte sich freuen. Schon deswegen, weil Berlin früher so sehr am Subventionstropf hing, dass unternehmerisches Engagement selten wurde. Dass jemand etwas unternimmt, also ins Risiko geht, ist hier der Erwähnung wert.

Es ist aber eine gehörige Prise Berliner Skepsis angebracht. Selbst den Aktionären bleibt wenig Freude über den zehnprozentigen Kurssprung, denn der Ausgabekurs ist noch nicht erreicht. Wer also beim Börsengang im Mai auf Air Berlin setzte, der muss auf die Rendite noch warten. Offen ist, welcher der beiden charismatischen Selfmade-Luftfahrt-Bosse – Joachim Hunold oder Hans Rudolf Wöhrl – am Ende die Nase vorn hat.

Hunold setzt auf Billigflüge für Touristen und Geschäftsleute aus einer Hand. Das ist riskant. Der Ballermann neben dem Banker, das verursacht Kulturschocks. Außerdem begibt sich Hunold an zwei Fronten in einen Preiskampf, in einer Zeit steigender Energiekosten und teurer werdender Sicherheitsvorkehrungen. Neben Easyjet und Ryanair wird nun noch stärker die Lufthansa sein Gegner: eine der profitabelsten und erfolgreichsten Fluggesellschaften der Welt, die aus dem Vollen schöpfen kann, wenn es sein muss.

Wöhrl hat schon eine Rendite erzielt. Einen Euro hat er für die dba vor drei Jahren bezahlt und jetzt Millionen kassiert. Damit hat es der fränkische Pilot und Unternehmer allen Skeptikern gezeigt. Wichtiger dürften ihm aber strategische Erwägungen sein. Die LTU, die er erst im Februar erworben hat, will er stärker als Liniengesellschaft positionieren, auf der Langstrecke – also da, wo man Geld verdienen kann. Auch das mit Sicherheit ein schwieriges Geschäft, in dem die Lufthansa stark ist, aber ein klar umrissenes, in dem man nicht gegen eine Phalanx von erfolgreichen Konkurrenten steht.

Was hat nun Berlin von Air Berlin? Vor allem ein Markenzeichen. Zwar ist die Hauptstadt der Sitz der Fluggesellschaft und sind hier 865 Mitarbeiter beschäftigt, aber Mallorca ist schon immer der wichtigere Standort. In knapp drei Wochen starten endlich die Bauarbeiten für den neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg International. Auch daran hatte man lange nicht geglaubt, im Jahr 2011 soll er fertig werden. Man mag nun träumen: Davon, dass Air Berlin Motor von Schönefeld wird. Dass die Airline der Hauptstadt in diesen fünf Jahren trotz des schwierigen Markts wächst und wächst. Dass Hunolds Visionen sich verwirklichen. Dass der Ölpreis unter 100 Dollar bleibt und die Weltlage ruhig.

Man mag aber auch bangen, ob es Air Berlin in fünf Jahren noch gibt.

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