Politik : Berliner Polizei wehrt sich gegen Vorwürfe von G-8-Gegner

Frank Jansen

Berlin/Rostock - Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch verwahrt sich gegen Vorwürfe, Beamte seiner Behörde hätten bei den Blockaden gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm die willkürliche Festnahme eines Arztes veranlasst. „Ich rate allen, Vorgänge nicht allein auf der Basis der Schilderung eines Betroffenen zu beurteilen“, sagte Glietsch am Dienstag dem Tagesspiegel. Gerade in diesem Fall spreche „nichts, aber auch gar nichts dafür, von dieser Regel abzuweichen“.

Bei dem Berliner Arzt handelt es sich um Michael Kronawitter, den Sicherheitsexperten als Wortführer linksradikaler Gruppen bezeichnen. Die Festnahme hatte unter anderem die Berliner Ärztekammer kritisiert. Glietsch antwortet, gegen Kronawitter laufe ein Verfahren, „dessen Ergebnis auch die Ärztekammer abwarten sollte, bevor sie sich die Darstellung ihres Mitglieds zu eigen macht“. Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt wegen Verdachts auf Landfriedensbruch.

Kronawitter war nach eigenen Angaben am vergangenen Mittwoch als Arzt unterwegs zu einem Mann, der Atemprobleme hatte. Bevor er ihn erreichte, sei die Festnahme erfolgt, klagt Kronawitter. Er macht Zivilpolizisten der Berliner Spezialeinheit PMS (Politisch Motivierte Straßengewalt) verantwortlich, die „gezielt nach bekannten Linken gesucht haben“. In Sicherheitskreisen hieß es jedoch, die PMS-Beamten hätten beobachtet, dass Kronawitter als „Rädelsführer der Störer“ auftrat.

Der Einsatz der PMS war aus Sicht der Polizei ein Erfolg – zumal es den Berliner Beamten gelang, am Donnerstag in Rostock rechten Krawallen vorzubeugen. Etwa 180 Skinheads und Hooligans wollten ein Camp linker G-8-Gegner stürmen. Die PMS erfuhr davon und löste einen Großeinsatz der Bereitschaftspolizei aus. Die Rechtsextremisten wurden nahe dem Camp festgenommen. Frank Jansen

0 Kommentare

Neuester Kommentar