Politik : Berliner Senat verhindert Vivantes-Pleite

Ingo Bach

Der hochverschuldete Berliner Klinikkonzern Vivantes hat mit Hilfe seiner Beschäftigten und des Senats die drohende Insolvenz abgewendet. Am Mittwoch beschloss der Aufsichtsrat des landeseigenen Unternehmens einen bis 2008 laufenden Sanierungsplan. Die Hauptpunkte: Das Land übernimmt die Schulden von Vivantes in Höhe von 230 Millionen Euro und die 14 000 Mitarbeiter verzichten für fünf Jahre auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, insgesamt 170 Millionen Euro.

Ziel ist, dass das Unternehmen im Jahr 2008 50 Millionen Euro erwirtschaftet. So plant Vivantes nach Tagesspiegel-Informationen zum Beispiel, die Zahl der teuren Röntgenuntersuchungen um 20 Prozent zu senken. Studien hätten gezeigt, dass bundesweit um diesen Wert zu häufig geröntgt werde, sagt Vivantes-Chef Wolfgang Schäfer. Auch die 230 Intensivbetten, die pro Stück und Jahr Kosten von 100 000 Euro verursachen, sollen um bis zu zehn Prozent reduziert werden. Außerdem will das Unternehmen mehr einnehmen, indem es die Patientenzahlen erhöht. Derzeit versorgt Vivantes jährlich rund 184 000 Patienten, ab 2007 sollen es mehr werden. Allerdings rechnet Vivantes für 2004 mit über 3000 weniger Patienten. Schon im vergangenen Jahr war diese Zahl um 1600 gesunken.

Gesundheitssenatorin Heidi KnakeWerner (PDS) nennt das Konzept eine „großen Chance“, die unbedingt genutzt werden müsse – „Sonst wird es für Vivantes schwer.“ Dagegen bleibt die Opposition skeptisch: Die Berechnungen seien nicht überzeugend, heißt es übereinstimmend von CDU, Grünen und FDP. Es sei nicht nachvollziehbar, wie aus einem Unternehmen in finanzieller Schieflage bis 2008 plötzlich ein profitabler Konzern werden könne. Martin Matz, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP, nennt den Plan „Voodoo-Ökonomie.“

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar