Politik : Berliner Unis droht offenbar Halbierung der Studienplätze

Finanzexperten: Die Hochschulen können Zeitplan nicht erfüllen Berlin (U.S.) Die Berliner Hochschulen werden durch die Sparbeschlüsse des Senats offenbar über die Grenzen des Zumutbaren hinaus belastet.Wie aus einem vertraulichen Papier aus der Wissenschaftsverwaltung hervorgeht, können die geforderten Sparziele nicht zeitgerecht erbracht werden.Außerdem würde es eine drastische Reduzierung der Studienplätze geben, und zwar von derzeit 114.000 auf 62.250.Bis zum Jahre 2003 müssen die Hochschulen auf 950 Millionen DM an Staatszuschüssen verzichten.Da außerdem die Personalhaushalte nicht ausfinanziert werden, klafft eine weitere Lücke von 110 Millionen DM.Daraus ergeben sich insgesamt Einsparungen in Milliardenhöhe. Durch die einzusparenden Milliarden werden Tausende von Stellen gestrichen, und durch diese Streichungen vermindert sich die Zahl der Studienplätze.Nach einem dem Tagesspiegel vorliegenden internen Papier von Finanzexperten und Hochschulplanern aus der Wissenschaftsverwaltung hat die Reduzierung von jetzt rund 114.000 Studienplätzen auf 62.250 im Jahr 2003 gravierende Folgen besonders für die drei großen Universitäten.Die Studienplatzkapazität wird an der Freien Universität und der Technischen Universität halbiert.Die Freie Universität, die zur Zeit noch 38.915 Studienplätze hat, wird um das Jahr 2003 nur noch über 16.600 finanzierte Studienplätze verfügen, die Technische Universität, die jetzt 27.520 Studienplätze besitzt, kommt auf 13.600 Studienplätze, die Humboldt-Universität mit 22.115 Studienplätzen wird auf 15.850 Studienplätze heruntergefahren. Wenn am Montag im Wissenschaftsausschuß des Abgeordnetenhauses die Hochschulvertreter zu den Sparbeschlüssen des Berliner Senats angehört und die Beratungen über die Perspektiven bis zum Jahr 2000 intensiviert werden, kommen noch ganz andere Probleme auf den Tisch: Die Fachhochschulen werden das bundesweit gewünschte Ausbauziel in Berlin nicht mehr erreichen.Als Ziel gilt eine Aufnahmekapazität von 40 Prozent der Studienanfänger eines Jahrgangs.Berlin hinkt hier weit hinterher mit gerade erreichten 25 Prozent.Die Fachhochschulen werden nicht mehr ausgebaut, sondern können unter dem Spardiktat nicht einmal die jetzige Zahl von 19.400 Studienplätzen halten, sondern werden auf 12.200 reduziert. Besorgniserregend ist außerdem, daß für die Wirtschaft so wichtige Studiengänge in den Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften in Berlin stark verringert werden, obwohl die Universitäten in der Stadt gerade auf diesem Gebiet ihre besonderen Stärken haben.Als nachteilig wird sich auch herausstellen, daß in einer Zeit, da die Jahrgänge der Schulabsolventen bundesweit wieder zunehmen, in Berlin die Aufnahmekapazität gesenkt wird.Selbst eine Versorgung der Landeskinder mit genügend Studienplätzen wird erschwert.

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