Politik : Berliner Unis gehören nicht zur Elite

Zweimal München und einmal Karlsruhe sind in Deutschland Spitze / Eklat beim Auswahlverfahren

-

Berlin/Bonn - Die Universität Karlsruhe, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Technische Universität München sind die Sieger in der ersten Runde des Exzellenzwettbewerbs der deutschen Hochschulen. Die Berliner Universitäten sind damit vorerst aus dem Rennen um den Titel einer Spitzenuniversität ausgeschieden, haben aber noch eine Chance in der zweiten Runde im kommenden Jahr. Die Entscheidung für Karlsruhe und die beiden Münchner Unis fällte eine Jury aus Wissenschaftlern und Bildungspolitikern am Freitag in Bonn. Diese drei Hochschulen erhalten in den kommenden fünf Jahren je 100 Millionen Euro, um ihre Spitzenforschung ausbauen und sich damit international behaupten zu können.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von einem bedeutenden Tag für die Wissenschaft in Deutschland. „Die Exzellenzinitiative sei ein „wichtiges Signal an unsere Hochschulen für die Stärkung der universitären Forschung“. Schavan wies darauf hin, dass die Wissenschaftler in der Jury die strittigen Fälle nicht zur Beratung vorgelegt hätten. Das habe bei Bund und Ländern Kritik hervorgerufen. Nach Informationen des Tagesspiegels kam es in der Jury zum Eklat, wobei die Politiker zwischenzeitlich aus dem Entscheidungsgremium auszogen. Offenbar verweigerten die Wissenschaftler Schavan und den Länderministern jegliches Mitspracherecht über die zu fördernden Doktorandenprogramme und Forschungsvorhaben. Um ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen, hätten die Politiker zehn Prozent der ursprünglich bewilligten Mittel vorerst eingefroren, hieß es aus Ministerkreisen. Auf der Pressekonferenz erwähnten die Minister dies nicht.

Nach Ansicht des Berliner Wissenschaftssenators Thomas Flierl (Linkspartei) hat das Verfahren den Berliner Hochschulen geschadet. Dem Tagesspiegel sagte er, man habe aber für die nächste Runde „berechtigte große Hoffnungen“. Der Präsident der Berliner Humboldt- Uni (HU), Christoph Markschies, sprach dagegen von einem „hoch fairen, wissenschaftlich orientierten Wettbewerb“. Die Vorgänge hätten gezeigt, dass „die politische Einflussnahme eine wissenschaftliche Entscheidung nicht kippen“ könne.

In weiteren Wettbewerben konnten die drei Berliner Unis punkten. Gefördert werden die Graduiertenschule für Nordamerikastudien der FU, die „School for Mind and Brain“ der HU und die „Mathematical School“ der Technischen Universität (TU). Auch in diesen Wettbewerben lagen Hochschulen aus Bayern und Baden-Württemberg mit insgesamt 16 der 35 Auszeichnungen vorn.

Laut TU-Präsident Kurt Kutzler sind die Berliner Universitäten „unter Wert“ geschlagen worden. „Das Ergebnis wird der Leistungsfähigkeit des Landes nicht gerecht.“ FU-Präsident Dieter Lenzen sagte, das Zukunftskonzept der FU sei trotz der Ablehnung „exzellent bewertet“ worden. Das sei „ein großer Erfolg für die Freie Universität“. afk/akü/-ry

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben