Politik : Berlins Ausländerbeauftragte: Zuwanderer mehr fordern

Barbara John zieht nach 21 Jahren Bilanz / „Zu viele sprechen zu schlecht Deutsch“ / Kritik an der Bürokratie

Frauke Herweg

Berlin . Die Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John hat am Montag eine positive Bilanz ihrer 21-jährigen Amtszeit gezogen. Zwar werde hier und da behauptet, die Integration sei gescheitert, sagte John: „Doch das ist ein intellektueller Modeausspruch.“ John war die erste Ausländerbeauftragte Deutschlands, inzwischen ist sie die dienstälteste. Ende Mai übergibt sie das Amt an ihren Nachfolger Günter Piening.

Auf vielen Gebieten habe Berlin eine Vorreiterrolle übernommen, sagte John. Vorbildlich nannte sie die rund 60 Selbsthilfeprojekte, die Beratung für ausländische Existenzgründer und regelmäßige Umfragen unter Zuwanderern. 12 000 Berliner Unternehmen würden von Migranten geführt. „Wir sind die Hauptstadt ethnischer Betriebe“, sagte die 65-Jährige.

Die scheidende Ausländerbeauftragte gab allerdings zu, dass zu viele Einwanderer zu schlecht Deutsch sprechen. „Wir hätten hier viel früher und viel stärker Forderungen stellen müssen“, sagte John. „Es gibt viel zu viele ausländische Jugendliche ohne Schulabschluss, viel zu viele Arbeitslose unter Migranten.“ Für eine bessere Integration müssten Erzieherinnen besser auf den Umgang mit zweisprachigen Kindern vorbereitet werden. Zudem sei eine größere Flexibilität im Tarifrecht nötig. Viele Migranten kämen mit geringen beruflichen Qualifikationen, sagte John: „Eine Anstellung zu ortsüblichen Tarifen ist da so gut wie unmöglich.“

Arbeit, so ist die Christdemokratin überzeugt, ist ein Schlüssel zur Integration. Nach wie vor seien Migranten bei der Jobsuche benachteiligt. Asylbewerber, die oft drei bis vier Jahre auf den Abschluss ihres Verfahrens warten müssten, erhielten ein Jahr nach ihrer Einreise lediglich eine nachrangige Arbeitserlaubnis: „Sie dürfen nur Arbeiten annehmen, die kein anderer will“, kritisierte John.

Fragen nach einer persönlichen Bilanz wich John am Montag weitgehend aus. „Meine Arbeit als Ausländerbeauftragte hat mich humaner gemacht“, sagte sie. „Ich habe gelernt, Menschen zuzuhören, die verzweifelt und dementsprechend mitunter ein wenig schwierig sind.“ John bedauerte, dass Mitarbeiter der Ausländerbehörde zu bürokratisch handelten. „Dort ist die Haltung: Das Gesetz ist die Lösung“, kritisierte die ehemalige Hochschullehrerin. „Doch das Leben ist mitunter sehr unordentlich.“

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