Politik : Berlins gläsernes Tor zur Welt

Festakt mit der Kanzlerin zur Eröffnung des Hauptbahnhofs / Der neue Fahrplan gilt ab Sonntag

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Berlin - Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat ganz Berlin einen richtigen Hauptbahnhof. Am Freitagabend wurde der nach Ansicht der Bahn modernste Bahnhof der Welt vor rund 1000 geladenen Gästen offiziell eröffnet. Anschließend war eine gigantische Lichtschau zu sehen. Die ersten Züge halten von Sonntag an im größten Turmbahnhof Europas. Der Bau soll rund 750 Millionen Euro gekostet haben; exakte Zahlen will die Bahn aber erst später nennen.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht der neue transparente Bahnhof „für ein modernes, aufgeschlossenes und weltoffenes Land“. Die Kanzlerin bekannte sich eindeutig zu einer weiteren Privatisierung der Deutschen Bahn. „Der Reformprozess muss weitergehen“, sagte sie. Sie sei sich mit Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) darin einig, „dass wir alles daran setzen, dass dieser Weg nicht vorher stecken bleibt“. Zu der entscheidenden Frage, ob das Schienennetz zusammen mit dem Bahnkonzern privatisiert werden oder ob das Netz wieder dem Bund übertragen werden soll, äußerte sich die Kanzlerin nicht. Zuvor hatte EU-Industriekommissar Günter Verheugen erklärt, dass die Bundesregierung keinen Widerstand aus Brüssel erwarten müsse, falls sie sich für eine Privatisierung mitsamt dem Netz entscheiden sollte.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte bei der Eröffnung, Berlin sei mit der zusätzlichen Nord-Süd-Verbindung, die im Tunnel das Stadtzentrum unterquert, und dem neuen Hauptbahnhof wieder zu einer „Weltmetropole des Bahnverkehrs“ aufgestiegen. Mit der Verknüpfung der Ost-West- und der Nord-Süd-Verkehre in einem Hauptbahnhof sei ein alter Traum erfüllt worden. Pläne dazu hatte es bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts gegeben. Nach Ansicht Mehdorns ist der vom Architekturbüro von Gerkan, Marg und Partner entworfene Bahnhof ein gelungener Bau geworden, der ein Publikumsmagnet in der Stadt sein werde. Bahn und Architekt haben sich allerdings inzwischen zerstritten.

Mittelfristig erwartet die Bahn bis zu 300 000 Besucher täglich im neuen Hauptbahnhof, zu dem auch 80 Geschäfte gehören, die in der Regel täglich, auch sonntags, von 8 bis 22 Uhr geöffnet sind. Mehr als 1000 Züge werden hier täglich ankommen oder abfahren. Durch den Hauptbahnhof werden sich die Verkehrsströme in der Stadt verändern, ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) überzeugt. Er sei sich sicher, dass der neue Hauptbahnhof an sich ein Reiseziel werde – nicht nur für Architekturexperten. Der Bau sei ein „weiteres wunderbares architektonisches Highlight“ in der Mitte Berlins. Der neue Bahnknoten Berlin war eines der größten Bauprojekte in der deutschen Eisenbahngeschichte. Seit der Wende sind rund zehn Milliarden Euro investiert worden, um das Fahren mit der Bahn einfacher, schneller und komfortabler zu machen.

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