Politik : Berlusconi fehlt beim Prozess – weil Brüssel ruft

Premier will jetzt aber stärker mit der Justiz kooperieren / Vier laufende Verfahren

Foto: Julian Warnand/dpa
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Berlin/Rom - Italiens Premier ist am Freitag in Brüssel erschienen, nach einer Kieferoperation mit einem großen Pflaster im Gesicht. Zum Auftakt des Prozesses um die Bestechung seines britischen Anwalts David Mills erschien Silvio Berlusconi deshalb nicht: „Verpflichtungen im Ausland“ hielten ihn ab, ließ er in einem Brief an die Richterin wissen.

Berlusconi, der sich in vier Gerichtsverfahren verantworten muss und seit Jahren öffentliche Attacken gegen seine angebliche Verfolgung durch die Justiz reitet, zeigte sich gleichzeitig ungewöhnlich kooperationsbereit. Grundsätzlich sei er „fest entschlossen, die Termine wahrzunehmen“. Neben dem Montag, den er als einzigen mit seinen Amtspflichten zu vereinbarenden Wochentag bezeichnet hatte, bot Berlusconi jetzt zudem die Wochenenden an: Auch freitags und samstags stünde er der Justiz zur Verfügung. Richterin Francesca Vitale hat zugesagt, den Terminkalender des Regierungschefs zu berücksichtigen. Erstmals könnte er in zehn Tagen aussagen.

In dem Verfahren wird Berlusconi vorgeworfen, seinen damaligen Anwalt David Mills dafür bezahlt zu haben, dass der zweimal zu seinen Gunsten falsch aussagte. Mills ist dafür bereits verurteilt worden. Prozesse um angeblich betrügerischen Verkauf von Filmrechten und Steuervergehen von Berlusconis Firmen Mediaset und Mediatrade begannen letzte Woche neu. Ab 6. April muss Berlusconi sich zudem wegen seiner Beziehung zu der jungen Marokkanerin „Ruby“ verantworten. Ihm wird Förderung der Prostitution Minderjähriger und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Um das Mädchen freizubekommen, das im Mai 2010 wegen Diebstahl festgenommen worden war, hatte Berlusconi im Mailänder Polizeipräsidium angerufen und behauptet, sie sei mit dem damaligen ägyptischen Staatschef Mubarak verwandt. ade

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