Politik : Berlusconi lässt TV-Interview nach kritischen Fragen platzen

Paul Kreiner

Rom - Aus Verärgerung über unbequeme Fragen der Fernsehmoderatorin Lucia Annunziata hat Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi eine Interviewsendung unvermittelt abgebrochen. Annunziata, sich berufend auf die harsche Kritik des italienischen Industrie- und Arbeitgeberverbandes an der Regierung, wollte von Berlusconi Details wissen über die wirtschaftliche Lage im Land, Berlusconi hingegen wollte lieber über das „Versagen“ der linken Vorgängerregierung und über die eigenen Wahlversprechen reden.

Die Sendung „In einer halben Stunde“ lief auf RAI 3, dem vergleichsweise oppositionsfreundlichen Kanal des Staatsfernsehens, die langjährige Journalistin Annunziata ist bekannt für ihre linken Positionen. 14 Monate lang war sie, um die Ausgewogenheit der RAI zu garantieren, sogar Präsidentin der Fernsehanstalt, im Mai 2004 jedoch wurde sie von der Koalitionsmehrheit und deren Verbündeten weggemobbt.

In den vergangenen Wochen hatte Annunziata mit ihrem sehr direkten Interviewstil bereits mehrere von Berlusconis Verbündeten ins Schwitzen gebracht. Als jetzt Berlusconi zu einem seiner Selbstdarstellungsmonologe ansetzte, rief sie ihn zur Ordnung. Berlusconi solle auf ihre Fragen antworten: „Sie sind hier nicht Hausherr, Sie können hier nicht die Regeln diktieren.“ Berlusconi bezeichnete Annunziata als „gewalttätig“, sie solle sich „ein bisschen schämen“. Dann, die Sendung lief gerade einmal 20 Minuten, stand er auf, reichte Annunziata die Hand – „Gratulation. Sie haben sich verhalten wie eine von Vorurteilen geprägte Linke“ – und verließ schimpfend den Raum.

Nun wird Annunziata von RAI-Präsident Claudio Petruccioli gerüffelt: Sie habe sich regelwidrig verhalten und ihre politische Position durchscheinen lassen. Sie hätte auf die Attacken Berlusconis nicht mit gleicher Münze zurückzahlen dürfen, sagte Petruccioli.

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