Politik : Berlusconi nickt beifällig

Schröder wirbt in Rom um gute Beziehungen

Paul Kreiner[Rom]

Das Wetter schlecht, die Laune sonnig – wohl noch kein Gipfeltreffen zwischen den Regierungschefs Gerhard Schröder und Silvio Berlusconi ist so entspannt verlaufen wie jenes am Mittwochabend in Rom. Nicht ein Misston stört die Szene, wenn es nicht gerade die Übersetzungsanlage ist. „Deutsche Technik“, flachst Berlusconi, als mal wieder ein paar Sätze im funktechnischen Nirgendwo verloren gehen.

Einigkeit in allen Themen, das ist die Botschaft Gerhard Schröders und Silvio Berlusconis. Nur ein Punkt bleibt strittig: Deutschland strebt einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an, Italien ist dagegen. Keiner der beiden Staaten, sagen die Regierungschefs, habe „einen Anlass gesehen, seine Meinung zu ändern“. „Wir haben gar nicht mehr versucht, einander zu überzeugen“, gibt Berlusconi zu, jovial lächelnd. Und Schröder äußert den Journalisten gegenüber die „herzliche Bitte“, die Frage der UN-Reform „nicht zum Zentralpunkt“ zu machen. „Sie hat auch keinerlei Einfluss auf meine persönliche Liebe zu Land und Leuten.“

Auf das Thema Zuwanderung kommen die Regierungschefs erst auf Nachfrage zu sprechen. Auffanglager in Nordafrika – Klarheit über diese Pläne konnten auch Schröder und Berlusconi noch nicht erzielen. Der Kanzler formuliert als Ergebnis der Beratungen nur, man müsse „alle Vorschläge prüfen, um zu verhindern, dass sich Menschen auf dem Mittelmeer in tödliche Gefahr begeben“. Allerdings, so fügt er hinzu: „Die Zeit ist noch nicht reif dafür, dass beim Europäischen Rat im Dezember etwas beschlossen wird. Die Sache bleibt bei den Innenministern.“ Und Otto Schily, der zusammen mit Joschka Fischer zu Füßen der Rednerpults sitzt, verzieht keine Miene.

Schröder und Berlusconi – der eine zählt sich zum linken, der andere zum rechten Lager. Doch in der Frage eines EU-Beitritts der Türkei sind sie sich einig. Schröder bekräftigt in Rom sein Hauptargument: Es wäre doch toll, „wenn es gelänge, einen nichtfundamentalistischen Islam zu verbinden mit den Werten der europäischen Aufklärung“. Und Berlusconi nickt beifällig.

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