Politik : Berlusconis geheime Mission

Italiens Nachrichtendienst spionierte im Irak mögliche Ziele aus

Thomas Migge[Rom]

Am ersten Tag des Krieges gegen den Irak konnten die Angreifer irakische Raketenwerfer bei Basra außer Kraft setzen. Mit diesen Raketen hätte Kuwait-Stadt bombardiert werden können. Die USA und Großbritannien konnten die Raketenwerfer gezielt zerstören – mit Hilfe von Geheimdienstinformationen. Die Angaben über die exakte Position der Raketenwerfer kamen aber weder vom amerikanischen noch vom britischen Nachrichtendienst, sondern vom militärischen Geheimdienst der Italiener, dem SISMI. Dessen Agenten arbeiteten im Irak eng mit Amerikanern und Briten zusammen, wie die Zeitung „La Repubblica“ am Mittwoch berichtete. Von diesem Einsatz erfuhr die italienische Öffentlichkeit selbst erst aus der Zeitung.

Ohne die Öffentlichkeit zu informieren, scheint die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Teilnahme von Agenten des SISMI an den Vorbereitungen zur Invasion des Irak genehmigt zu haben. Italiens Verfassung untersagt eine Beteiligung an einem Angriffskrieg. So stelle sich nun die Frage, „ob mit dieser paramilitärischen Aktion unsere Verfassung verletzt wurde“, sagte der römische Verfassungsrechtler Paolo Ridola. Linke Oppositionspolitiker fordern jetzt Informationen zu den Hintergründen dieser Enthüllungen.

Der italienische Geheimdienst hatte dem Zeitungsbericht zufolge die Aufgabe, in Bagdad, Kirkuk und Basra jene Orte zu lokaliseren und zu überprüfen, die von alliierten Marschflugkörpern und Bomben aus der Luft zerstört werden sollten. Darüber hinaus sollten die Agenten auch versuchen, hohe irakische Militärs für die Sache der Allierten zu gewinnen.

Der SISMI hatte demnach schon vor Kriegsbeginn drei Einheiten mit mehreren Dutzend Spionen in den Irak geschickt. Bereits am 17. Januar traf nach Recherchen von „La Repubblica“ der amerikanische General Richard B. Myers in Rom Italiens Verteidigungsminister Antonio Martino, um das Vorgehen des SISMI im Kriegsfall zu koordinieren. Der SISMI soll zudem bereits Tage vor der Festnahme des international gesuchten Terroristen Abu Abbas gewusst haben, wo sich dieser in Bagdad aufhielt.

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