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Bersani gegen Berlusconi : Italiens Mitte-Links-Bündnis gewinnt knapp

Italien hat gewählt, doch dem Krisenland droht eine Hängepartie bei der Regierungsbildung. Auch wenn das Mitte-Links-Bündnis um Bersani knapp vorn liegt: Italien ist dreigeteilt.

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Pier Luigi Bersani Mitte-Links-Koalition geht als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl hervor.
Pier Luigi Bersani Mitte-Links-Koalition geht als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl hervor.Foto: Reuters

Das Mitte-Links-Bündnis mit seinem Spitzenkandidaten Pier Luigi Bersani hat die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Italien knapp gewonnen. Das Bündnis erhielt 29,54 Prozent der Stimmen und liegt damit vor dem Mitte-Rechts-Bündnis von Silvio Berlusconi, das auf 29,18 Prozent kam, wie das Innenministerium in Rom am Dienstagmorgen nach Auszählung aller Stimmen mitteilte.

Italien steht nach der Parlamentswahl zerrissener da denn je. Möglichkeiten eines der Lager, eine Regierung zu bilden, zeichne sich bisher nicht ab; beide Parlamentskammern sind erstmals dreigeteilt.

Die „Grillini“, die erstmals antraten, schafften aus dem Stand 25,5 Prozent in der ersten Kammer des Parlaments, dem Abgeordnetenhaus; in der zweiten, dem Senat liegen sie bei 23,7 Prozent. Wie sich Grillos „Fünf Sterne“ verhalten werden, ist noch unklar. Grillo hat einen harten Wahlkampf gegen das gesamte politische Establishment geführt. Am Wahlabend äußerte er sich nicht klar über seine Absichten. Eine erste Stellungnahme lässt aber darauf schließen, dass er einen Kurs der Fundamentalopposition fahren wird.

Vertreter von Mitte-Links, die nach den ersten Prognosen noch als klare Sieger zumindest im Abgeordnetenhaus gegolten hatten, sprachen von „Unregierbarkeit“. Dieses Wahlergebnis mache es nötig, dass Italien sehr rasch wieder wählen müsse. Die Mailänder Tageszeitung „Corriere della sera“ urteilte, Italien gehe aus diesen Wahlen als „politisch zersplittertes Land“ hervor.

Das Bündnis des amtierenden Ministerpräsidenten Mario Monti bewegte sich lange unterhalb der Zehnprozenthürde, die für Listenverbindungen gilt, erst am späten Abend sah es aus, als habe er sie übersprungen. Montis Leute – er selbst kandidierte nicht – hatten sich für die Wahl mit der christdemokratischen UdC und der Gruppe des früher mit Berlusconi verbündeten postfaschistischen Politikers Gianfranco Fini unter dem Titel „Mit Monti für Italien“ zusammen getan. Monti zeigte sich trotz des relativ schwachen Abschneidens seines Bündnisses zufrieden. „Einige sind vielleicht von einem etwas besseren Ergebnis ausgegangen, aber ich bin sehr zufrieden“, sagte Monti am späten Montagabend.

Die Favoriten in Bildern
Italien hat gewählt: Zwei Tage lang wurden wie hier in Turin die Stimmen entgegen genommen. Mehr als 50 Millionen Italiener waren zur Wahl aufgerufen, doch die Beteiligung war eher zurückhaltend. Am Wahlsonntag betrug die Wahlbeteiligung zur Schließung der Lokale um 22 Uhr lediglich 55,17 Prozent. Bei der vorigen Wahl hatte sie bei 62,55 Prozent gelegen.Alle Bilder anzeigen
1 von 5Foto: dpa
25.02.2013 15:08Italien hat gewählt: Zwei Tage lang wurden wie hier in Turin die Stimmen entgegen genommen. Mehr als 50 Millionen Italiener waren...

Nach dem als umstrittenen geltenden Wahlrecht erhalten siegreiche Listen in beiden Parlamentskammern, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, zusätzlich eine sogenannte Mehrheitsprämie, die ihnen das Regieren mit ausreichenden Mehrheiten erleichtern soll.

Wahlberechtigt waren 50 Millionen Italiener, darunter drei Millionen, die im Ausland leben und eigene Kandidaten wählten. Die Wahlbeteiligung – für das Abgeordnetenhaus, im Senat gilt ein anderes Wahlalter – lag mit 55,17 Prozent um etwa sieben Prozentpunkte deutlich niedriger als noch 2008, als 62,55 Prozent der Wahlberechtigten wählen gegangen waren. Die Daten stammen allerdings von Sonntagabend. Traditionell wird in Italien an zwei Tagen gewählt.

Gleichzeitig zu den sogenannten „politischen“ fanden Regionalwahlen in der süditalienischen Region Molise, in Latium, der Gegend um Rom, und in der norditalienischen Industrieregion Lombardei statt. Sowohl die lombardische wie auch die Wahl in Latium waren nach Korruptionsskandalen der dortigen Mitte-rechts-Regierungen vorgezogen worden.

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