Besonnen und beleidigt : Gespaltene Reaktionen auf Mohammed-Video in Europa

Der Film "Die Unschuld der Muslime" hat zu heftigsten Reaktionen in der islamischen Welt geführt. Doch wie reagieren die Muslime in Europa? Während Kunden in Frankreich das Magazin „Charlie Hebdo“ zerreißen, ist es andernorts relativ ruhig.

von , und
Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in vielen Ländern friedlich verlaufen. In Pakistan aber kamen mindestens zwei Menschen bei Ausschreitungen ums Leben.Weitere Bilder anzeigen
Foto: AFP
21.09.2012 14:25Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in...

Großbritannien

In Großbritannien halten sich Proteste und Kontroversen um den Film „Die Unschuld der Muslime“ bisher in Grenzen. Der Vergleich mit der Kontroverse um die Mohammed-Karikaturen 2006 zeigt, wie viel besonnener britische Muslime geworden sind. Der britische Muslimrat verurteilte unmittelbar nach dem Mord am amerikanischen Botschafter Christopher Stevens in Libyen gewalttätige Proteste. Der Film sei „eine Schande“, aber „diese Gewalt steht nicht im Einklang mit den Lehren des Propheten, dessen Ehre die Demonstranten verteidigen wollen“, hieß es. Zumindest in Großbritannien scheint sich die These des früheren Premiers Tony Blair zu bestätigen, dass „am Ende die Kräfte der Modernisierung über die Extremisten triumphieren werden“.

Die Debatte um die Meinungsfreiheit wurde angestoßen, als der Fernsehsender Channel 4, angeblich auf Anraten von „Sicherheitsexperten“, eine Konferenz über einen kontroversen Islam-Film absagte. Der Film „Islam. Die unerzählte Geschichte“ hatte nach seiner Fernsehausstrahlung Ende August mehr als 1000 Beschwerden ausgelöst. Autor Tom Holland vertritt die These, der Islam habe sich langsam entwickelt und sei nicht im siebten Jahrhundert als voll ausgeformte Offenbarungsreligion präsent gewesen.

Der Romanautor Salman Rushdie, der seit über dreiundzwanzig Jahren durch eine „Fatwa“ von Ayatollah Khomeini bedroht ist, warnte vor der Gefahr für die Meinungsfreiheit. Der Iran nahm die Proteste gegen den Mohammed-Film zum Anlass, die Fatwa gegen Rushdie zu erneuern. Eine öffentliche Vorführung des Filmes ist in Großbritannien unwahrscheinlich. Sie könnte mit Gesetzen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder dem Gesetz gegen Religionshass von 2006 unterbunden werden. Auch die Mohammed-Karikaturen wurden in Großbritannien nie nachgedruckt.

Matthias Thibaut

5 Kommentare

Neuester Kommentar