BESTANDSAUFNAHME : Armer Kontinent

Selten hat der Afrika-Gipfel des World Economic Forums unter einem ähnlich schlechten Stern gestanden wie in diesem Jahr. Wie kaum ein anderer Kontinent leidet Afrika unter den weltweit rasant steigenden Lebensmittelpreisen. Die in Kapstadt anwesenden afrikanischen Staatschefs beschworen dennoch das enorme Wachstumspotenzial des Kontinents. „Afrika entwickelt sich hervorragend in die richtige Richtung“ diagnostizierte etwa Südafrikas Staatschef Thabo Mbeki, der sich erst kürzlich dafür entschuldigen musste, dass seine Regierung den Ausbau der Stromversorgung total verschlafen hat. Auch Weltbank und Internationaler Währungsfonds gehen davon aus, dass Schwarzafrika wirtschaftlich die besten Zeiten seit der Unabhängigkeit des Kontinents vor 50 Jahren durchläuft. Gleichwohl sprechen die Zahlen bei genauerem Hinsehen eine weit weniger deutliche Sprache. Zwar dürften die Zuwachsraten für den Kontinent auch 2008 und 2009 erneut fast sechs Prozent erreichen, doch beruht dieses Wachstum nach einem gerade von der OECD und der Afrikanischen Entwicklungsbank gemeinsam verfassten Bericht zu einem großen Teil auf dem Anstieg der Preise für Erdöl und andere Rohstoffe – und nicht auf den dringend erforderlichen strukturellen Veränderungen innerhalb der einzelnen Länder. Um die enorme Armut in Afrika spürbar zu verringern, müsste das Wachstum nach Einschätzung von Experten wie Greg Mills von der Brenthurst Foundation über ein Jahrzehnt lang kontinuierlich bei mindestens zehn Prozent liegen. Die Chefs von Südafrikas Supermarktketten erklärten indes, die steigenden Lebensmittelpreise könnten auch etwas Gutes haben, wenn sie dazu beitrügen, dass Afrikas Landwirtschaft endlich umstrukturiert wird. In den meisten Ländern trage sie mehr als 50 Prozent zum Bruttosozialprodukt (BIP) bei, werde jedoch zumeist von Kleinbauern dominiert, die kaum Überschüsse produzieren. wdr

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