Bestechung : Gericht prüft Vorwürfe gegen Südafrikas ANC-Chef

Wegen Verfahrensfehlern war der letzte Prozess gegen den designierten Präsidentschaftskandidaten Südafrikas eingestellt worden. Nun wird die Wiederaufnahme geprüft - unter den Protesten seiner Anhänger.

Zuma Foto: AFP
Anhängerin Jacob Zumas. -Foto: AFP

PietermaritzburgBegleitet vom Protest seiner Anhänger hat in Südafrika am Montag ein Prozess um Bestechungsvorwürfe gegen den designierten Präsidentschaftskandidaten Jacob Zuma begonnen. Bei dem zweitägigen Verfahren vor dem Oberlandesgericht der Stadt Pietermaritzburg soll geprüft werden, ob die Wiederaufnahme eines Korruptionsprozesses gegen den 66-Jährigen rechtmäßig ist. Der Prozess war wegen Verfahrensfehlern zunächst niedergeschlagen worden. Sein Anwalt wandte ein, Zuma sei nicht, wie in der Verfassung vorgeschrieben, erst selbst zu dem Fall angehört worden.

Der Vorsitzende des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) will einen Prozess unbedingt verhindern und hatte deswegen - bisher jedoch meist vergeblich - auch andere Gerichte angerufen. Nach der Verurteilung seines Finanzberaters Schabir Shaik wegen Bestechlichkeit steht Zuma im Verdacht, von zwei Tochtergesellschaften des französischen Rüstungskonzerns Thales International (früher: Thomson-CFS) Geld angenommen zu haben.

Der Berater hatte erklärt, er habe einen Teil des erhaltenen Geldes an Zuma weitergeleitet, der das aber bestreitet. Die beiden Thales-Tochtergesellschaften sind ebenfalls wegen Korruption angeklagt.

Weniger als die angekündigten 10.000 Demonstranten

Zumas Anhänger sprachen von einem "politisch motivierten Prozess". ANC-Sprecherin Jessie Duarte erklärte, der Parteivorsitzende werde von der Anklagebehörde regelrecht verfolgt. Der ANC-Chef solle vor der Präsidentschaftswahl im Frühjahr 2009 auf dem Weg ins höchste Staatsamt ausgebremst werden.

Die ANC-Führungsspitze sowie verbündete Kommunisten und Gewerkschaften hatten zugunsten Zumas zu einer breiten Solidaritätskampagne aufgerufen. Sympathisanten aus dem ganzen Land waren zur Unterstützung Zumas nach Pietermaritzburg gereist. Allerdings blieb die Zahl weit hinter den erwarteten 10.000 Demonstranten zurück. Es war ihnen daher nicht wie geplant gelungen, das öffentliche Leben in der Stadt lahmzulegen. Der Prozess findet unter verschärften Sicherheitsbedingungen statt.

Die Vorwürfe der Bestechlichkeit reichen mehrere Jahre zurück, als Südafrika seine Streitkräfte mit einem milliardenschweren Rüstungsauftrag modernisieren wollte. Dieser Auftrag war von diversen Korruptionsvorwürfen überschattet, die sich auch gegen andere Politiker richteten. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts wird frühestens am späten Dienstagnachmittag, möglicherweise aber auch erst Tage später verkündet werden. (mpr/dpa)

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