Besuch beim US-Präsidenten : Netanjahu will Obama „die Wahrheit sagen“

Nach Irans moderaten Tönen im Atomstreit trifft Israels Regierungschef am Montag den US-Präsidenten.

Am Montag treffen sich Benjamin Netanjahu und Barack Obama.
Am Montag treffen sich Benjamin Netanjahu und Barack Obama.Foto: dpa

Tel Aviv - Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich skeptisch über die „Lächeloffensive“ des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani geäußert. Vor seiner Abreise in die USA in der Nacht zum Sonntag sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros, er wolle bei seinem US-Besuch „im Angesicht der süßen Lippenbekenntnisse die Wahrheit sagen“. Israel hält Ruhanis versöhnliches Auftreten für eine Finte. „Die Wahrheit zu sagen ist entscheidend für die Sicherheit der ganzen Welt und natürlich entscheidend für die Sicherheit unseres Landes“, sagte Netanjahu. Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an einer eigenen Atombombe zu arbeiten. Israel sieht sich dadurch existenziell bedroht. Nach Angaben des Militärradios will er in Washington darauf dringen, dass die Staatengemeinschaft den Druck auf Teheran aufrechterhält oder gar die Sanktionen weiter verschärft. Auch die Drohung mit einem Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen müsse auf dem Tisch bleiben, fordert der konservative Politiker.

Netanjahu trifft am heutigen Montag US-Präsident Barack Obama und spricht anschließend vor der UN-Vollversammlung. Medienberichten zufolge wird er dabei den Iran mit Nordkorea vergleichen. Das kommunistische Regime in Pjöngjang sei auch so lange auf diplomatische Bemühungen des Westens eingegangen, bis es 2006 mitteilte, Atomwaffen zu besitzen.

Ruhani hatte während seines Besuchs in New York anlässlich der UN-Generaldebatte in mehreren Interviews, Reden und Gesprächen – zuletzt per Telefon mit Obama – seine Bereitschaft zu Verhandlungen betont, um eine endgültige Beilegung des Atomkonflikts zu erreichen.

Israels Präsident Schimon Peres kritisierte den „verächtlichen“ Ton mancher Politiker seines Landes gegenüber der Iranpolitik von Obama. „Man kann einverstanden oder nicht einverstanden sein, aber ich mag nicht diesen verächtlichen Ton, auch andere haben ein Gehirn zum Denken, nicht nur wir“, sagte Peres dem Militärradio. Es müsse versucht werden, die US-Regierung in Gesprächen zu beeinflussen.

Der Westen und Israel verdächtigen den Iran auch an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Teheran weist diese Vorwürfe zurück und beharrt auf seinem Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie. Besonders umstritten ist die Urananreicherung, die theoretisch die Herstellung von waffenfähigem Uran erlaubt. Um Teheran zum Einlenken zu zwingen hat die Staatengemeinschaft Sanktionen verhängt, die im Iran zu einer Wirtschaftskrise geführt haben.

Israels ehemaliger Außenminister Avigdor Lieberman hat dem Iran indirekt mit einem Militärschlag gedroht. „Es ist gut, daran zu erinnern, dass Israel auch im Fall des irakischen Atomreaktors Anfang der 80er Jahre das einzige Land war, das gewarnt hat und aktiv geworden ist“, schrieb Lieberman am Sonntag auf seiner Facebook-Seite. „Und rückblickend wurde klar, dass wir recht hatten“, sagte der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik. Israelische Kampfjets hatten 1981 in einer gewagten Aktion den einzigen irakischen Atomreaktor „Osirak“ südöstlich von Bagdad zerbombt. In der Anlage wurden seit den 1960er Jahren mehrere Forschungsreaktoren betrieben. dpa/AFP

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