• Besuch des US-Verteidigungsministers in Vietnam - Washington will Beziehungen normalisieren

Politik : Besuch des US-Verteidigungsministers in Vietnam - Washington will Beziehungen normalisieren

Erstmals seit dem Ende des Vietnam-Krieges vor 25 Jahren ist mit William Cohen ein US-Verteidigungsminister zu einem Besuch in dem asiatischen Land eingetroffen. Nach US-Angaben sprach Cohen in Hanoi mit seinem Kollegen General Pham Van Tra unter anderem über das Schicksal der noch etwa 2000 in Vietnam vermissten US-Soldaten. Er kam später auch mit Ministerpräsident Phan Van Khai zusammen. Cohen hat erklärt, die USA würden sich nicht für den Vietnam- Krieg entschuldigen. In dem 1975 beendeten Konflikt starben etwa 58 000 amerikanische Soldaten und schätzungsweise drei Millionen Vietnamesen. Der amerikanische Botschafter in Vietnam, Pete Peterson, beschrieb die Unterredung der beiden Verteidigungsminister als höflich und ungezwungen. Cohens Besuch sei ein wichtiger Schritt für die Normalisierung der Beziehungen beider Länder, sagte Peterson. Der Botschafter hat selbst mehr als sechs Jahre in vietnamesischer Kriegsgefangenschaft verbracht. Der frühere Pilot der US-Luftwaffe wurde 1966 mit seiner Maschine über Vietnam abgeschossen.

Zum Auftakt des Besuches schritt Cohen eine Ehrenformation der vietnamesischen Armee ab. Die Flaggen beider Staaten waren aufgezogen, eine Militärkapelle spielte die Hymnen der einstigen Kriegsgegner. Cohen sprach mit Phan unter anderem über Möglichkeiten einer militärischen Zusammenarbeit und über eine Kooperation bei der Minenräumung. Während seines dreitägigen Besuchs wird es voraussichtlich auch um humanitäre Hilfe der USA gehen, etwa für Hochwasseropfer in Vietnam.

Die USA und Vietnam hatten 1995 wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen. 20 Jahre zuvor hatte die hochgerüstete US-Armee den Rückzug aus Vietnam angetreten, wo sie gegen die Guerilla-Kämpfer Ho Chi Minhs unterlegen war. Der Krieg, in dem die USA die Führung Südvietnams gegen den kommunistischen Norden unterstützten, war sowohl in den USA als auch im Ausland auf scharfe Proteste gestoßen.

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