Politik : Besuch im Busch

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein deutscher Spitzenpolitiker, na ja, despektierlich, zumindest aber uninformiert über den afrikanischen Kontinent geäußert hat. Als Bundespräsident Heinrich Lübke (CDU) 1962 einen Staatsbesuch in Liberia machte, wusste er noch nicht so genau, dass Schwarze auch Menschen sind. So soll es zu seiner Anrede „Meine Damen und Herren, liebe Neger“ gekommen sein. In Madagaskars Hauptstadt dagegen, die damals noch Tananarive hieß, begann er seine Rede mit: „Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive!“. Das Präsidenten-Ehepaar hieß aber Tsiranana. Dafür hinterließ Lübke den Madagassen einen prima Lösungsvorschlag für die Probleme des Landes: „Die Leute müssen ja auch mal lernen, dass sie sauber werden.“ Lübke kam aus Enkhausen, Sauerland.

Gut 40 Jahre später versucht sich nun ein anderer CDU-Politiker als Afrika-Experte. Gefragt nach den deutschen Hilfsleistungen für Kongo, befand Unionsfraktionsvize Wolfgang Schäuble: „Es geht nicht um den Einsatz von deutschen Soldaten im Busch.“ Für einige Politiker unter der Berliner Käseglocke fängt der Busch ja bereits hinter Kleinmachnow an. Schäuble aber hat sich offenbar auch nicht so gut informiert. Wir wissen nicht, wann er zuletzt in Kongo war. Vielleicht hätte er einfach mal ins Lexikon gucken sollen. Dort steht: „Busch = dichtes, oft undurchdringliches Gewirr dorniger Sträucher und kleiner Bäume auf lockeren durchlässigen Böden“. In Kongo aber bedeckt zu 70 Prozent Regenwald das Land, im Nordosten gibt es auch ein wenig Savanne. Schäuble kommt aus Gengenbach, einer Gegend mit Feldern und Weinbergen. Experten sprechen von einer Mischvegetation.

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