Besuch in Berlin : Alexis Tsipras erfreut die Linkspartei

Alexis Tsipras, der mögliche nächste Ministerpräsident Griechenlands, hält in Berlin große Reden – und erfreut damit die Linkspartei.

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Vereinigte Linke.
Vereinigte Linke.Foto: AFP

Er ist nach Berlin gekommen, um Stärke zu demonstrieren. Nur wenige Meter vom Kanzleramt entfernt sitzt Alexis Tsipras an diesem Nachmittag auf dem Podium der Bundespressekonferenz, um seiner Lieblingsfeindin Angela Merkel zu erklären, wie er sich die Griechenland-Rettung vorstellt: Die „katastrophale“ Sparpolitik müsse gestoppt werden.. „Zum ersten Mal ist Merkel extrem isoliert“, hat er die Kanzlerin vor seiner Ankunft in Berlin wissen lassen. Seit der Sozialist Francois Hollande zum französischen Präsidenten gewählt wurde, verspürt Tsipras Rückenwind.

Der 37-jährige neue Politstar aus Athen ist aber auch gekommen, um mit dem Bild aufzuräumen, das in den letzten Monaten von ihm gezeichnet worden ist. Das Bild des Populisten, der bei den Griechen auf Stimmenfang geht mit antideutschen Parolen („Wir sind keine deutsche Kolonie“). Ganz ruhig sitzt er da, spricht von „Freundschaft“ und „Solidarität“ zwischen den europäischen Völkern. „Wir sind nicht die Kraft, die die Zerstörung Europas will“, versichert er. Und wirbt bei den Deutschen dafür, dass sie ihren Sommerurlaub doch in Griechenland verbringen mögen. „Sie sind unsere großen Bürger“, sagt er.

Bei den Wahlen am 6. Mai ist Tsipras’ Koalition der radikalen Linken (Syriza) tatsächlich eine Kraft geworden. Bei den Neuwahlen am 17. Juni hat sie gute Chancen, als Sammlungsbündnis, das von Linkssozialisten bis zu Trotzkisten reicht, die nur wenig stärkeren Konservativen zu überholen. Tsipras könnte der nächste griechische Ministerpräsident werden. Und er tritt auch schon ein wenig so auf. Einen Termin bei der Kanzlerin hat er zwar nicht. Tsipras ist auf Einladung der Linkspartei in Berlin, die ihn mehrfach als Ehrengast empfangen hat – zuletzt bei ihrem politischen Jahresauftakt im Januar. Doch auch mit SPD-Chef Sigmar Gabriel hat er am Nachmittag eine Verabredung, die Grünen-Führung hat das Gespräch ebenfalls gesucht.

Tsipras ist ein smarter Typ, der mit seinem dunklen Anzug auch als Banker durchgehen könnte – wenn er nicht mit offenem Hemdkragen durch die Gegend laufen würde. Ins griechische Parlament fährt er mit seinem BMW-Motorrad. Er ist vergleichsweise jung, aber seit langem politisch aktiv: Als Vertreter der Kommunistischen Jugend protestierte Tsipras gegen Schul- und Hochschulreformen der konservativen Regierung. Politisch fiel er das erste Mal so richtig auf, als er 2006 bei der Bürgermeisterwahl in Athen einen respektablen dritten Platz erzielte.

Mit seinem Wettern gegen die Sparpolitik trifft er in Griechenland offenbar die Stimmung vieler Menschen. Trotz aller Sanierungsprogramme kommt das Land nicht auf die Beine. Und Tsipras’ Versprechungen klingen verführerisch. Sollte er Ministerpräsident werden, will er aus den international vereinbarten Sparprogrammen aussteigen, Löhne und Renten wieder anheben. Gleichzeitig will er am Euro festhalten. Natürlich seien auch in Griechenland Reformen notwendig, erläutert Tsipras. „Aber sie können nicht vorangetrieben werden, wenn wir nicht den freien Fall der Wirtschaft stoppen.“ Er setzt auf die Furcht der Euro-Partner vor dem, was passieren könnte, wenn Griechenland aus dem Euro aussteigen muss.

Und was erhoffen sich der Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, sowie Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi von dem gemeinsamen Auftritt? Tsipras setze das Zeichen, „dass linke Parteien Erfolg haben können, wenn sie geschlossen handeln“, sagt Ernst. Syriza liegt in den Umfragen bei 28 Prozent, die heillos zerstrittene Linke bei gerade mal fünf Prozent.

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