Besuch in Berlin : Die Welt schaut auf diese Stadt

Berlin feiert den 20. Jahrestag des Mauerfalls mit Zeitzeugen und zahlreichen Staatsgästen aus Ost und West.

Matthias Schlegel

Berlin/Potsdam - In Berlin und ganz Deutschland wird am heutigen 9. November mit zahlreichen Veranstaltungen, Aktionen und Gedenkstunden der 20. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert. Auch im Ausland findet die Erinnerung an die friedliche Revolution in der DDR und den historischen Tag, der die Beendigung des Kalten Krieges einleitete und schließlich zur deutschen Einheit führte, große Aufmerksamkeit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Bundespräsident Horst Köhler treffen mit Staatsgästen und Zeitzeugen aus aller Welt zusammen, darunter US-Außenministerin Hillary Clinton, der britische Premier Gordon Brown, der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der russische Präsident Dmitri Medwedew, der ehemalige sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow und der frühere Solidarnosc- Anführer und spätere polnische Staatspräsident Lech Walesa. Am Nachmittag wird Merkel mit Zeitzeugen und Politikern dort entlanggehen, wo sich der Grenzübergang Bornholmer Straße befand, der unter dem Druck der versammelten DDR- Bürger als erster in der Nacht des 9. November 1989 geöffnet wurde. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist am Abend das „Fest der Freiheit“ am Brandenburger Tor.

Der ehemalige SED-Politiker Günter Schabowski, der am Abend des 9. November 1989 mit der Verkündung einer neuen Reiseregelung den Mauerfall ausgelöst hatte, sagte dem Tagesspiegel in einem Exklusivinterview, dass er auf diesen Tag „mit Genugtuung und auch mit einem gewissen Stolz“ zurückschaue. Die historische Dimension des Augenblick sei ihm allerdings erst viel später bewusst geworden. Zwar sei ihm klar gewesen, „dass das ein relativ einschneidender Schritt war“, der die Konfrontation zwischen Ost und West beendete. „Und wir waren uns im Klaren, dass daraus eine Entwicklung wird, bei der wir uns mit dem Westen arrangieren müssen. Allerdings noch unter den Bedingungen einer deutschen Teilung mit einer souveränen DDR.“

Der frühere sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse sagte im Tagesspiegel-Interview, der Mauerfall sei für einen denkenden Menschen damals absehbar gewesen. Dennoch hätten Gorbatschow und er „die Ereignisse permanent und ganz genau verfolgt“. Denn die Lage sei explosiv gewesen.

Bei der Eröffnung des Museums Villa Schöningen an der Glienicker Brücke in Potsdam am Sonntagabend sagte Angela Merkel vor 500 geladenen Gästen, darunter Gorbatschow und die früheren Außenminister Henry Kissinger und Hans-Dietrich Genscher, die Erinnerung an den Mauerfall sollte die Menschen zu mehr Mut inspirieren, vor allem um sich für andere und gegen Unrecht einzusetzen. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton forderte am Abend in einer Ansprache vor dem Atlantic Council in Berlin dazu auf, des 9. November „nicht nur zu gedenken, sondern ihn als Aufruf zum Handeln zu sehen“. „Die Geschichte endete nicht in der Nacht, als die Mauer fiel“, sagte sie. Sicherheitsfragen und die Verweigerung von Freiheit in vielen Teilen der Welt seien neue Mauern, die eingerissen werden müssten.

Bereits am Sonntag waren die 1000 überdimensionalen Dominosteine, die am Montagabend auf einem 1,5 Kilometer langen Abschnitt entlang der ehemaligen Mauer symbolisch zu Fall gebracht werden sollen, Anziehungspunkt für tausende Berliner und Gäste der Stadt.

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