Politik : Besuch in Mexico: Heimspiel mit Vicente Fox

Malte Lehming

George W. Bush wird an diesem Freitag Mexiko besuchen. Es ist die erste Auslandsreise von Bush als neuer amerikanischer Präsident. Bush und sein mexikanischer Amtskollege Vicente Fox werden vor allem über die Themen Energie, Einwanderung, Drogenschmuggel und Wirtschaft reden. Konkrete Ergebnisse sind kaum zu erwarten. Der Besuch hat zuvorderst symbolische Bedeutung. Die beiden treffen sich einen Tag lang auf der Privat-Ranch von Vicente Fox in San Cristobal, im Bundesstaat Guanajuato, knapp 400 Kilometer nördlich von Mexiko City.

Mit seinem Besuch will Bush unterstreichen, dass er den Beziehungen zu Mexiko eine herausragende Bedeutung beimisst. Traditionell besucht ein neuer amerikanischer Präsident als erstes Kanada, den größten Handelspartner, der außerdem mit den USA, ebenso wie Mexiko, durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) verbunden ist. Diesmal jedoch hat der kanadische Premierminister Jean Chretien als erster ausländischer Regierungschef Washington besucht, weswegen nun Bush ohne diplomatische Verstimmungen als erstes nach Mexiko reisen kann. Bushs Vorgänger, Bill Clinton, hat das Land vier Jahre, nachdem er Präsident wurde, besucht.

Bush (54) hat eine besondere Beziehung zu Mexiko. Als Gouverneur von Texas hat er das Land achtmal bereist und auch Vicente Fox (58), der damals Gouverneur von Guanajuato war, mehrfach getroffen. Die beiden gelten als Freunde. Überdies stammt die Schwägerin von Bush aus Mexiko, und er selbst spricht etwas Spanisch. Auch Fox ist erst seit kurzer Zeit Präsident. Seine Inauguration am 1. Dezember begründete eine neue Epoche in der Geschichte des Landes. Zuvor hatte 71 Jahre lang die "Partei der Institutionalisierten Revolution" den Präsidenten gestellt. Fox gilt als beliebt, pragmatisch und äußerst pro-amerikanisch. Bushs Republikanische Partei und die "National Action Party" von Fox sind konservativ.

Die Hauptthemen des Treffens werden Energieversorgung und Einwanderung sein. Die USA erhoffen sich von Mexiko eine bessere Stromversorgung. Entsprechende Anlagen, die insbesondere Kalifornien beliefern sollen, sind bereits im Bau. Im Gegenzug könnten amerikanische Unternehmen Mexiko dabei helfen, Erdgas zu fördern, zu transportieren und zu verkaufen. Die mexikanische Seite wiederum wird vor allem das Thema Einwanderung ansprechen. Die Grenze zwischen beiden Ländern ist 3300 Kilometer lang und porös. Woche für Woche strömen illegale Einwanderer in die USA. Im kommenden Jahr, so wird erwartet, beträgt die Zahl der spanischstämmigen Amerikaner mehr als 34 Millionen. Damit wäre diese Minderheit größer als die der Schwarzen. Fox strebt ein Visa-Programm an, das es mexikanischen Arbeitern erlaubt, für eine befristete Zeit in den USA zu arbeiten.

Eng verbunden mit dem Grenzproblem ist das Thema Drogenschmuggel. Jedes Jahr erstellen die USA eine Art Zeugnis über die Bemühungen verschiedener Länder, den Drogenhandel zu bekämpfen. Auch Mexiko ist auf dieser Liste.

Die meisten Mexikaner betrachten die USA mit einer Mischung aus Respekt und Verachtung. Zwischen 1846 und 1848 führten beide Länder Krieg gegeneinander. Die Hälfte von dem, was damals Mexiko war - inklusive die heutigen US-Bundesstaaten Arizona, Texas und Kalifornien -, fiel an Amerika. Mit dem Bush-Besuch könnte die Eiszeit endgültig überwunden sein. So amerikafreundlich wie Fox war noch kein mexikanischer und so mexikofreundlich wie Bush noch kein amerikanischer Präsident.

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