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Betreuungsgeld kommt, Gebühr geht : Bundestag schafft Praxisgebühr einstimmig ab

Das Betreuungsgeld kommt, die Praxisgebühr geht: Am Freitag hat die schwarz-gelbe Koalition zwei ihrer Projekte planmäßig durch den Bundestag gebracht. Bei der Praxisgebühr waren sich alle anwesenden Abgeordneten einig.

Mit der Abschaffung der Praxisgebühr hat der Bundestag auf das Milliardenplus bei den Krankenkassen reagiert.
Mit der Abschaffung der Praxisgebühr hat der Bundestag auf das Milliardenplus bei den Krankenkassen reagiert.Foto: dpa

Die Praxisgebühr wird zum 1. Januar 2013 abgeschafft. Das beschloss der Bundestag am Freitag in Berlin. Für die Abschaffung der Zehn-Euro-Gebühr stimmten am Freitag alle 548 Abgeordneten, die an der Abstimmung teilnahmen.

Nach einer harten und hochemotionalen Debatte hatte die Koalitionsmehrheit zuvor das Betreuungsgeld verabschiedet. SPD und Grüne wollen bei einem Wahlerfolg das umstrittene Gesetz als eine der ersten Regierungsmaßnahmen wieder kassieren. Sie kündigten zugleich eine Verfassungsklage an, der sich auch die Linke anschließen will. Die Koalition sieht dagegen nunmehr den Weg frei für „echte Wahlfreiheit“ der Eltern bei der Betreuung ihrer kleinen Kinder.

Für das auch koalitionsintern lange umstrittene Gesetz stimmten 310 der insgesamt 330 Abgeordneten von Union und FDP. Einige waren wegen Krankheit verhindert, andere hatten ihr Nein zuvor offen angekündigt. Gegen das Gesetz votierten 282 Parlamentarier, 2 enthielten sich. Betreuungsgeld sollen ab 1. August 2013 die Eltern bekommen, die ihr Kind im zweiten und im dritten Lebensjahr nicht in eine Kindertagesstätte geben oder eine staatlich geförderte Tagesmutter in Anspruch nehmen. Zunächst sind 100 Euro monatlich vorgesehen, ab 2014 dann 150 Euro.

In der fast zweistündigen Aussprache bezeichnete der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück das Betreuungsgeld als „schwachsinnig“ und gesellschaftlich rückwärtsgewandt. Es werde von der großen Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Das dafür vorgesehene Geld gehöre in der Ausbau der Kindertagesstätten.

Reaktionen zum Koalitionsgipfel
Die Generalsekretäre Hermann Gröhe (CDU), Alexander Dobrindt (CSU) und Patrick Döring (FDP) verkündeten in der Nacht zu Montag das Ergebnis des Koalitionsgipfels. Die Spitzen von Union und FDP einigten sich demnach auf die Einführung des Betreuungsgelds ab August 2013. Außerdem soll ab Januar 2013 die Praxisgebühr abgeschafft werden. Bei der Rente soll es steuerfinanziert Verbesserungen bei Erwerbsminderung, für Menschen mit geringem Einkommen und für Frauen, die Kinder erzogen oder Pflege geleistet haben, geben.Weitere Bilder anzeigen
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05.11.2012 09:33Die Generalsekretäre Hermann Gröhe (CDU), Alexander Dobrindt (CSU) und Patrick Döring (FDP) verkündeten in der Nacht zu Montag das...

Das Betreuungsgeld schaffe für Frauen Anreize, nach der Geburt eines Kindes länger dem Beruf fernzubleiben. Das werde ihre späteren Berufschancen mindern. Steinbrück: „Weniger Frauen werden eine eigene Berufsbiografie schreiben, weniger Kinder werden Chancen auf frühe Bildungsförderung haben.“ Das Gesetz führe zurück „in die Biedermeier-Idylle - mit dem Bild vom Vater am Arbeitsplatz und der Mutter daheim am Herd“.
Steinbrück wie auch andere Redner der Opposition hielten der Koalition vor, das Gesetz nach mehreren vergeblichen Anläufen nun „unter einem Höchstmaß der Selbstdisziplinierung“ und unter „Selbstverleugnung“ der FDP im Parlament durchzudrücken.

Redner der Koalition warfen Steinbrück Unredlichkeit und Heuchelei vor. Der FDP-Politiker Patrick Meinhardt verwies darauf, dass die SPD in der großen Koalition zusammen mit der Union 2008 mit dem Gesetz zum Ausbau der Kindertagesstätten das Betreuungsgeld selbst mit auf den Weg gebracht habe. Das Gesetz sei von den damaligen SPD-Bundesministern Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel im Kabinett mit abgesegnet worden. „Sie sind die rote Betreuungstroika“ rief Meinhardt.

Die SPD hielt dagegen, bei der Betreuungsgeld-Formulierung in dem alten Gesetz von 2008 habe es sich lediglich um einen Prüfauftrag gehandelt. Mit diesem Kompromiss habe man damals die Zustimmung der CSU zum gewünschten bundesweiten Ausbau der Kindertagesstätten erreicht.

Das neue Gesetz über das Betreuungsgeld macht nach den Worten der CSU-Familienpolitikerin Dorothee Bär jetzt den Weg frei „für Wahlfreiheit der Eltern bei der Betreuung kleiner Kinder“. Ein guter Entwurf sei durch die zum Teil auch kontroversen Debatten innerhalb der Regierungskoalition in den vergangenen Wochen noch besser geworden, sagte Bär. Beim Streit um die Verfassungskonformität des Gesetzes stehe Expertenaussage gegen Expertenaussage, sagte die CSU-Politikerin zu der von der Opposition wie vom Bundesland Hamburg angedrohten Verfassungsklage.

Grünen-Chef Jürgen Trittin hielt der Koalition vor, beim Betreuungsgeld die Ablehnung ihres eigenen Sachverständigenrates wie auch der Wirtschaft zu ignorieren. Gut ausgebildete junge Frauen würden trotz Fachkräftemangels länger vom Arbeitsmarkt ferngehalten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zementiere damit den Umstand, dass Frauen in der Arbeitswelt auf Dauer 25 Prozent weniger verdienten als Männer, sagte Trittin. Auch könne bei bundesweit 220 000 noch fehlenden Kita-Plätzen von Wahlfreiheit keine Rede sein.

Der CDU-Abgeordnete Markus Grübel warnte die Opposition davor, das Betreuungsgeld „weiter zu verteufeln“. Er räumte ein, dass die Betreuungsgeldentscheidung der großen Koalition von 2008 „nicht Herzensanliegen“ der SPD gewesen sei. Gleichwohl solle sie zu dem damaligen Kompromiss stehen. Es gehe auch darum, den unterschiedlichen Vorstellungen der Eltern über die Betreuung kleiner Kinder Rechnung zu tragen. (dpa)

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