Politik : Betroffene Roma drohen Auswanderung nach Deutschland an

Ludmila Rakusan

Mit eigenen Körpern haben vor kurzem Roma-Aktivisten in der tschechischen Stadt Usti nad Labem (Außig) den Weiterbau einer Trennmauer mitten durch ihre Straße verhindert. Vorerst. Am Montag kam dann von ihnen die Drohung, dass - wenn die diskriminierende Mauer trotz aller Proteste gebaut wird - die tschechischen Roma sich um politisches Asyl in Deutschland bemühen würden. Das umstrittene Bauvorhaben, wodurch die "weißen" Besitzer von vier Einfamilienhäusern in der Außiger Maticni-Straße von der "unzumutbaren Belästigung" durch ihre Roma-Nachbarn abgeschirmt werden sollten, wurde bereits im Frühjahr von der tschechischen Regierung abgelehnt. Daraufhin zog das Kreisamt die Baubewilligung zurück. Das letzte Wort in dem Streit, der längst über die Stadtgrenzen hinaus zum Symbol des "tschechischen Rassismus" wurde, sollte in diesen Wochen eigentlich das Parlament in Prag sprechen.

Doch die der Bürgerlichen Demokratischen Partei (ODS) des Parlamentspräsidenten und Ex-Regierungschefs Klaus angehörenden Stadtväter Ladislav Hruska und Pavel Tosovsky schalten auf stur und sind entschlossen, ihr Mauerwerk bis November zu vollenden. Unter dem Druck des zunehmend empörten Auslands waren sie lediglich bereit, die ursprünglich als vier Meter hoch geplante Mauer auf "nur" zwei Meter Höhe zu "verkleinern" und statt Beton keramische Bauteile zu verwenden. Anfang voriger Woche fing eine Baufirma an, die ersten Mauerteile zusammenzusetzen. In den nachfolgenden Tagen eilten aber Roma aus anderen tschechischen Gemeinden ihren Landsleuten zur Hilfe und trugen das entstehende Schandwerk Stück für Stück wieder ab. So wollen sie auch künftig verfahren. Und sie tun damit offenbar nicht nur ihren betroffenen Freunden Gutes an: "Sollte die Mauer in der Maticni-Straße stehen, könnt ihr kein EU-Mitglied werden", warnte nach Angaben des Vize-Regierungschefs Rychetsky die EU-Vertretung in Prag bereits vor einigen Monaten.

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