Politik : Betrüger unterwegs

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wer dieser Tage in unserem schönen Universum unterwegs ist, stößt manchmal unerwartet auf tiefe schwarze Löcher. So ging es auch den armen Sozialdemokraten. Da haben sich die Renten- und Finanzexperten in den vergangenen Tagen mal mit der Frage beschäftigt, wie viel Geld eigentlich in den Rentenkassen ist. Und siehe da: Es herrscht Ebbe. Die Einnahmen entwickeln sich nicht so, wie sie sollen. Welch eine Überraschung! Das hätten wir nicht gedacht. Hatten wir doch noch die wohlklingenden Worte in den Ohren, dass die Rentenbeiträge stabil bleiben sollen. Bei 19,1 Prozent. Das hatte doch dieser stets korrekte Herr von der SPD uns im Wahlkampf erzählt. Ach ja, genau. Der Franz Müntefering war das.

Wenige Wochen später verkündet die neue SPD-Rentenbeauftragte Ulla Schmidt, dass alles doch viel schlimmer ist. Die Rentenbeiträge müssten auf 19,5 Prozent steigen, damit die Renten weiter sicher sind, sagt die Ministerin. Zähneknirschend stimmten die Grünen zu. Der reflexartige Vorwurf der Opposition kam im Handumdrehen: „Rentenlüge“. Ein wenig geschluckt haben wir aber schon, als auch die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) uns am frühen Morgen vor den Trickbetrügern warnte. Klare Worte! Bei der genauen Lektüre der Pressemitteilung wird allerdings klar: Die BfA meint gar nicht die Bundesregierung. Es sind Kriminelle unterwegs, die sich gegenüber ahnungslosen Bürgern als Rentenversicherer ausgeben. In gefälschten Verträgen bieten sie Ausgleichszahlungen an für die Abschläge, die ein Rentner in Kauf nehmen muss, wenn er vorzeitig in Rente geht. Glück gehabt, liebe Koalition.

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